nochma Wehrpflicht

Heute haben die Richter in Karlsruhe nochmal nachgelegt: Die Wehrpflicht nur für Männer ist angeblich legitim!
Hoch lebe ein Richterrat, der sich sogar über den Gleichheitssatz des Grundgesetz hinwegsetzt. Auf den Absatz im Grundgesetz auf den jede freie, demokratische Gesellschaft zu Recht stolz ist:

Art. 3
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Da finde ich den Vorstoß des CDU-Hampelmann Friedrich Merz, eine Dienstpflicht auch für Frauen einzuführen noch fair, obwohl der Vorschlag zu recht wohl in die Analen der Geschichte eingehen wird: Als dümmste und bekloppteste Idee eines Bundestagsfraktionvorsitzenden.

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18 Kommentare

  1. ich weiss nicht, ich finde diese ganze Wehrpflicht eh absoluten Blödsinn – sollen doch die auf Kriegspielen machen, die das unbedingt berufsmässig tun wollen… emot/borgsmile.gif

  2. also ich denk mal den umgang mit besen und schrubber lern ich in der eigenen wohnung am besten und nur weil jemand bei der bundeswehr war heisst das noch lange nicht das er dadurch selbstständig ist.

    ich kenne genug fälle wo leute bei der bundeswehr waren aber mit 27 immer noch im hotel mama wohnen und absolut nichts machen können.

    ob man nun dafür oder dagegen ist man sollte auf jeden fall eine lösung finden dass das geld bei der bundeswehr effektiver eingesetzt wird anstatt es in jemanden zu stecken der nur 10 monate im dienst ist.

  3. Merz‘ vorschlag finde ich nicht mal fair: Man macht ein Unrecht nicht gut, indem man die von der Unrecht nicht betroffene Gruppe auch noch in das Unrecht einbezieht. Die Wehrpflicht ist einfach nur noch dämlich.

    Dagegen könnte ich mich für Towandas Zivildienstmodell (dann aber für beide Geschlechter) erwärmen. Ich habe den Zivildienst als sehr lohnend (für mich und erst recht für die Oldies in meinem Altenheim) empfunden. Klar, die ganze Alten-, Pflegeheime und ähnliche karikative Einrichtungen würden auch ohne Zivis funktionieren – ich sehe das an meinem Altenheim, in dem ich immer noch vorbeigucke – aber es ist die Frage des ‚wie‘.

  4. ich möchte nur mal drauf hinweisen, das sich das Gericht inhaltlich garnicht über die Verfassungsmäßigkeit der Wehrpflicht geäußert hat, sondern die Klage wegen eines Formfehlers abgewiesen hat. Kommt in den Medien irgendwie anders rüber, ändert aber nichts an der Sache, dass die Wehrpflicht scheisse ist 🙂

  5. IMHO ist die Wehrpflicht auch verfassungsgemäß (Art. 12a, GG), aber ob sie mit Grundrechten vereinbar ist, ist etwas anderes. Wo ist denn unser Haus- und Hofjurist (aka Dija-joerg)?
    Und: Ist da nicht noch was beim Europäischen Gerichtshof in der Mache?

  6. nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil 🙂
    Es gab zwei Urteile, wie Thomas ja auch schrieb (wer lesen kann …), aber das Verfassungsgericht hatte kein Bock schon wieder Entscheidungen für die Politik zu machen und hat gesagt, sollen die sich doch damit ärgern

  7. ja wo isser denn? hier! emot/wave2.gif

    Hier werden zuviele Fragen vermischt, manche sind juristischer Natur (= ist die Wehrpflicht verfassungsgemäß?),
    manche politischer Natur (= ist die Wehrpflicht zeitgemäß und sinnvoll sollte sie abgeschafft werden? wenn ja: was soll als Ersatz eingeführt werden?)
    und manche tun nichts zu Sache (was halte ich persönlich von der Bundeswehr? hab ich bock da hinzugehen?)
    Zu allem mag man eine Meinung haben. aber man sollte das alles mal ein bißchen auseinanderzuhalten. Politsche Fragen werden jedenfalls aus gutem Grund vom Gesetzgeber entschieden und nicht von Verfassungsrichtern, das ist die wesentliche Aussage des Beschlusses aus Karlsruhe. „Und das ist gut so.“

  8. nö hab nicht, will nicht und werd nicht …
    nur hab ich den „vorteil“, dass ich junger treusorgender vater eines sohnes bin. da drückt die bundeswehr gern ein auge zu und stellt einen unbegrenzt frei emot/smile.gif

    … abgesehen davon unterstütze ich diese klage aus tiefstem herzen.
    ich bin wahrlich kein pazifist und hab nix gegen die bundeswehr. ich habe nur etwas gegen die ungerechtigkeit die ich in der wehrpflicht sehe.
    männer verlieren dadurch einfach fast ein jahr an berufserfahrungen gegenüber frauen. zweitens sehe ich die milliardenverluste die die bundeswehr mit der wehrpflicht einfährt sehr kritisch. eigentlich könnten sie das geld gleich verbrennen. da wäre es auch weg, würde aber im gegensatz zur wehrpflicht einen nutzen haben: es würde warm machen. der wehrpflichtige geht nach 10 monaten und kommt nie wieder zurück. wo liegt da der nutzen?
    die argumentation „für die verteidigung des vaterlandes“ hinkt schon seit jahren … keiner der ex-wehrpflichtigen kann sich nach 10 jahren noch an irgendwas aus seiner wehrpflicht erinnern, ausser an saufgelage und strafen. das ist ähnlich wie mit dem rot-kreuz-lehrgang beim führerscheinerwerb. keiner kann sich nach 10 jahren noch an irgendwas erinnern.
    beim rot-kreuz-lehrgang gäbe es die alternative der jährlichen auffrischung. bei der bundeswehr ja aber wohl kaum.

  9. Hab das gestern auch mit Frank (Wehrdienst geleistet) diskutiert. Da bei Männern die Verweigererquote steigt und wohl nur ein Bruchteil der Frauen den Wehrdienst ableisten würde, wenn er Pflicht wäre, hätten wir wohl mehr Verweigerer statt Wehrdienstleistende.

    Andererseits geht der Trend dazu, längere Ausbildungs- bzw. Studienzeiten zu haben, wodurch man länger im Hotel Mama wohnt, dort den Ar*** nachgetragen bekommt (Ausnahmen mögen die Regel bestätigen) und erst sehr spät selbständig wird (krasser Fall in meinem Semester: 20jährige weiß nicht, wo sie krankenversichert ist, weil das immer noch Papa organisiert).

    Drum wäre ich für ein Modell, das – sagen wir – ein Pflichtjahr „Dienst an der Gesellschaft“ vorschreibt, Behinderten-, Alten-, Pflegeheime, etc., irgendwas Gemeinnütziges halt für die, die sich gegen den Wehrdienst entscheiden. Denn was beide (Wehrdienstler und Zivis) aus ihrer Dienstzeit mitnehmen, ist, daß sie ein paar „basics“ dort gelernt haben – und sei es nur die Benutzung von Besen und Schrubber und Bettenmachen.

  10. also da muss ich jetzt mal was sagen wenn die frau unbedingt wieder arbeiten will kann sie die aufzucht und pflege auch dem mann überlassen und ich denk mal dass das als argument deswegen nicht geht

  11. Die Sache ist doch die, das lang nicht mehr alle Frauen Kinder kriegen, so wie das vielleicht früher selbstverständlich war.
    Deswegen mein Vorschlag: Frauen müssen ein Kind kriegen, ansonsten ab zum Bund 🙂
    Würde nebenbei auch das Problem lösen, das die Deutschen langsam aussterben.

  12. Hai. Eines stört mich, und zwar das Argument der Benachteiligung gegenüber Frauen, die in der Zeit des Wehrdienstes der Männer Berufserfahrung sammeln können und somit unglaubliche Vorteile auf dem Arbeitsmarkt geniessen. Das ist nicht wirklich Dein Ernst, oder?!
    Nach dem Kinderkriegen (übrigens auch ein Dienst an der Gesellschaft) sind die meisten Frauen mindestens ein halbes Jahr mit Aufzucht und Pflege beschäftigt, im Normalfall jedoch 3 Jahre.
    Schöne Grüsse
    sweet-cheeva

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