Die spinnen, die Deutschen

Vorsicht, Polemik (ich sag es nur; nicht dass wieder … ach!):

„Wir haben ein völliges Wirrwarr“, sagte der Verleger der „Bild“-Zeitung. Fast alle über 30-Jährigen nutzten noch die alte Rechtschreibung. Schulkinder müssten dagegen die neuen Regeln lernen, während sie außerhalb der Schule mit ganz anderen Schreibweisen konfrontiert würden. „Das ist Anarchie, ein unhaltbarer Zustand“, kritisierte er.

Der SPIEGEL stellt auf alte Rechtschreibung um und findet Fans
Entschuldigung, aber das war bei der letzten Reform nicht anders! Himmel nochmal. Wenn es nicht Hartz IV ist, ist es die Rechtschreibung. Welche echten Probleme haben wir eigentlich?
Was Verlage hier betreiben ist keine ‚demokratische Politik‘; wir lernen seit 1996 (?) die neuen Regeln an der Schule; es kann und darf kein zurück mehr geben.
XHTML, Redefreiheit und Demokratie sind schaize. Kehren wir zu den alten Werten zurück; so ein Diktator ist wesentlich reformgeeigneter …
Ich will die neue Rechtschreibung.

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19 Kommentare

  1. Die neue Rechtschreibung ist einfach nur grausam. Sie ist verwirrend, weil es zahlreiche Widersprüche gibt und sie zerstört oftmals den Sinn dessen, was man eigentlich sagen will.

    Beispiel? Hier: alt: „wohlverdienter Preis“ neu: „wohl verdienter Preis“. Wir der Preis wohl (wahrscheinlich) verdient sein, oder hat der Empfänger ihn zurecht erhalten? Das ist hier nicht mehr eindeutig nachvollziehbar… (geklaut aus dem aktuellen Spiegel)

    Ich habe sowohl die alte, als auch die neue Rechtschreibung gelernt und kann mich (bis auf die neuen s,ss,ß Regeln) einfach nicht richtig mit der neuen Rechtschreibung anfreunden. Ständig bringe ich die Regelungen durcheinander.

    Ich sehe kein Problem darin, dass die alte Rechtschreibung wieder zur neuen wird, nur weil bereits seit 1996 die neue Rechtschreibung gelehrt wird. Ich sehe nur eine Frage der Kosten; denn Schulen usw. müssen dann neu angeschaffte Bücher nochmals gegen neue-alte eintauschen.

    Die neue Rechtschreibung ist wirklich schlimm und führt zu einer Schriftsprache, die anstrengend zu lesen/schreiben und oftmals falsch zu verstehen ist.

    Ich finde es gut, dass der ASV und der Spiegel wieder die alte Rechtschreibung schreiben und hoffe, dass andere Verlage usw. nachziehen.
    —–

  2. Ich find die neue Schreibe auch nicht uneingeschränkt toll, aber die alte war auch nicht uneingeschränkt toll … Eine Rechtschreibung die alle gut finden gibt es nicht …
    Die eigentliche ‚Katastrophe‘ ist nicht die Reform, sondern das Gezanke darum!

  3. Ich möchte keinen Unmut und Zwist vom Zaun brechen, aber (verdammt nochmal!):

    Es heißt jetzt – und hieß immer schon:
    „wohlverdient“ (Duden S. 1081)

    „wohl verdient“ ist falsch!!

    Bitte über die geltende Rechtschreibung
    1. informieren, und dann
    2. kritisieren

    Zu 1. empfehle ich, bei Gelegenheit im Duden nachgucken.

    Entschuldigung dafür, aber ich kann diese Kritisiererei mit falschen Beispielen und ergo offenkundiger Unkenntnis wirklich nicht mehr ertragen…

  4. Dadurch, dass erneut korrigiert wurde müssen Schulbücher jetzt sowieso wieder umgeschrieben werden. Ich hänge nicht an den neuen Regeln. Kultusbürokraten haben hier wiederholt ihre Ignoranz gegenüber der Wählermeinung demonstriert.

    Übrigens:
    „„Wohl verdient“ statt „wohlverdient“ – das ist eine ebenso einschneidende Sinnentstellung wie die Einfügung eines „vermutlich“ in den Text, die einen zensurähnlichen Eingriff gleichkäme. Die Zensur wird hier ausgeübt von einer Reformer-Clique, die sich gegenüber der Öffentlichkeit nicht verantwortet. Sie haben Hunderte von zusammengesetzten Wörtern, die sich die Sprachgemeinschaft aus gutem Grund geschaffen hatte, einfach gestrichen – ein beispielloser Akt der sprachlichen Entdifferenzierung und der kulturellen Regression.“

    http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Cricetus/SOzuC1/SOVsRSR/ArchivSO/HKrieger.htm

  5. Die neue Rechtschreibung wird seit 1997 an den Schulen gelehrt, aber einige Lehrer haben bereits 1996 die Regeln angesprochen. Eine Zeitlang war es den Schülern vergönnt, sich zu entscheiden, welche Form der Schreibung sie wählen.

  6. Das wirklich Schlimme daran finde ich, dass die Bild-Zeitung wieder ein Sommerloch-Thema gefunden und es ganz Deutschland erfolgreich aufgedrängt hat.Außerdem habe ich das Gefühl, dass sich die am meisten aufregen, die am wenigsten von den neuen Regeln wissen. Wenn man sonst keine Sorgen hat…

  7. @Gerrit: Ich habe ’99 meinen Realschulabschluss gemacht. Und damals auf der Realschule, zwischendurch während meiner Ausbildung und jetzt (ich hole mein Abi nach), können und konnten meine DeutschlehrerInnen mir nie eindeutig sagen, ob ich das Wort jetzt so richtig geschrieben habe, oder nicht.

    Auf der Realschule haben wir noch „schnell“ begonnen uns etwas in die neuen Regelungen einzuarbeiten, während der Ausbildung (staatliche Berufsschule) hieß es dann wieder, die neuen Regelungen werden nicht unterrichtet Jetzt auf dem Gymnasium gibt es keine eindeutige Regelung.

    Es wird versucht möglichst viel nach den neuen Regeln zu schreiben, was aber meistens daran scheitert, dass nicht mal die Lehrer wissen, wann jetzt was auseinander oder zusammen geschrieben wird. Als Antwort bekommt man einfach nur ein Kopfschütteln und ein „lass es einfach so stehen, wird schon stimmen“. Das kann doch wohl wirklich nicht Sinn der Sache sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nur an meinen Schulen der Fall war/ist.
    Ich bin im Deutsch-Leistungskurs und soll da irgendwann mal ne Abiprüfung drin ablegen, es kann mir aber kein Lehrer sagen, ob ich jetzt richtig oder falsch schreibe. Ich lese Bücher in alter Rechtschreibung und dann wieder in neuer; die eine Lehrerin will möglichst die neue Rechtschreibung haben, der andere Lehrer will die Arbeiten in der alten Rechtschreibung haben. Hallo?!

    Es soll mir noch mal jemand was von den armen „Kindern“ erzählen, die die neuen Regelungen bereits lernen. Ich weiß von vielen Lehrern, die diese Regeln lehren sollen, dass sie selber nicht wissen, wie die richtig anzuwenden sind.

    Und klar, ich kann natürlich jedes Mal nachschlagen, dann brauch ich aber entsprechend mehr Zeit für meine Arbeiten und Hausaufgaben. Wenn ich heute eine Inhaltsangabe und eine 3-5 seitige Dokumentation über irgendwelche Sensoren (technisches Gymnasium) schreiben soll, dann kann ich das einfach nicht in der vorgegebenen Zeit schaffen, wenn ich ständig nachsehen muss, ob ich richtig oder falsch schreibe. Tut mir leid, aber so geht das einfach nicht…

  8. Wieso können wir eigentlich nicht mit der neuen *und* der alten Rechtschreibung leben?

    In Indien ist kein Problem: da kann ich Kalkutta, Kalkota oder Calcutta schreiben – das ist alles das selbe.

  9. @Stefan: Duden 22. Auflage ‚auf der Grundlage der neuen amtlichen Regeln‘, (die neue (23.) Auflage erscheint am 28. August..). Das betreffende Wort kann man auch online nachschlagen…

    Ich plädiere übrigens im Privatbereich durchaus für einen angemessenen freien Gebrauch von Regeln, bin aber inzwischen etwas genervt, weil ich seit Jahren die Debatte verfolge (und auch im Privatkreis immer wieder führe) – von Leuten (auch Politikern), die bis zur Einführung ganz ruhig waren und seitdem permanent mit falschen Beispielen und unbewiesenen Akzeptanzbehauptungen zu manipulieren versuchen.

  10. Textverarbeitung macht das wunderbar und es gibt nur sehr wenige Berufe, die Texte noch handschriftlich erfassen müssen.

    Was den informellen Schriftverkehr anbelangt. Gute Güte, ich achte nicht darauf und es ist mir egal.

    Wenn mich meine schwäbische Freundin um der Butter bittet, reiche ich ihr die Butter. Sicher mein Vater bekam schier Weinkrämpfe, wenn seine Kinder eingeschwäbelt ungeübter wie er, das als wie das wie gebrauchten.

    Ich denke, sollte der verordnete Regulierungswahn nachlassen, hat die Reform eine wichtigen Schub in die richtige Richtung gebracht.

    Und ja, es hat etwas mit der Länge des Vokals zu tun. Den Text von Reich-Ranicki las ich mit einigem Vergnügen.

    Was des wohlverdient und wohl verdient anbelangt, so ist in der Ausgabe von PONS großes deutsches Worterbuch Auflage 2001 beides zulässig und damit eindeutig zweideutig. Da ich „wohl“ nach wie vor im Sinne von „vermutlich“ verwenden kann und nicht im Sinne des guten Wunsches, hat Herr Reich-Ranicki mit seiner Kritik ins Schwarze getroffen.

    Andererseits wer aus ein paar bildungshungrige (Hobbie)Ethymologen interessieren sich für Wortstämme? Ob Volksration oder Volksherrschaft gemeint ist wird auch bei der neuen Silbentrennung kaum Zweifel auslösen. 😀
    Ich finde es lustig und bei meiner Konzentrationsschwäche, die sich grundsätzlich bei der Rechtschreibung bemerkbar macht, sogar das Beste was mir passieren kann. Wenn keiner mehr weiß, wie es richtig heißt, meckert auch keiner.:grin:

  11. Gibt es eigentlich Gründe dafür, warum bestimmte Regeln so aussehen, wie sie aussehen ?

    Wieso wurde z.B. „daß“ zu „dass“, während „Gruß“ „Gruß“ blieb ? Ich weiss, das hat mit der Ausprachelänge der Vokalen zu tun…

    …aber WARUM ist das so ?

  12. Sehr geehrte Axel-Springer Verlagsleute,
    sehr geehrte Spiegel-Verlagsleute,

    vielen Dank, daß Sie nun wieder in der alten Rechtschreibung schreiben werden. Es ist ja schon nicht mehr auszuhalten, wenn man hört, daß Millionen von Schulkindern im Deutschunterricht Rechtschreibregeln anerzogen werden, welche denen widersprechen, die für Werke heutiger Schriftsteller wie Grass, Walser und Enzensberger sowie in immer noch verwendeten Biologielehrbüchern aus den 80ern gelten.
    Wer ist nun schuld an diesem Chaos? Sicher nicht die von manchen schon betitelten „konservativen Anarchisten“, welche die bewährten Standards wieder einführen. Viel eher diejenigen, die sich anmaßten, die Rechtschreibung einer gewachsenen Sprache „von oben“ mit dem Holzhammer verändern zu wollen. In diesem Zusammenhang bleibt mir der sogenannte Volksentscheid unseres Bundeslandes in Erinnerung, dessen Ergebnis, die Beibehaltung der alten Rechtschreibregeln, von Politikern jedweder Couleur – verwunderlich: auch von liberalen FDPlern und basisdemokratischen Grünen – einfach sang- und klanglos verworfen wurde.

    Jetzt richtet der Markt über Angebot und Nachfrage, was unsere Repräsentanten nicht richten wollten. Ein Etappensieg der Demokratie!

    Bleibt nur zu hoffen, daß auch unsere Parlamentarier ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorziehen. Denn gerade wenn solch große Verlage, der Nachfrage von Lesern und Literaten nachkommend, in alter Schreibweise drucken, ist es unverantwortlich, im Deutschunterricht an der Wirklichkeit vorbei zu lehren. Das für eine Umstellung der Regeln prognostizierte Chaos an den Schulen ist dabei hochstilisiert, schließlich lernen Schüler bis zur vierten Klasse nur sehr wenige Worte, die durch das neue Regelwerk betroffen sind, und die älteren Schüler kennen zum Teil auch noch die alte Rechtschreibung.

    Mit freundlichen Grüßen
    Christian

  13. Die neue Rechtschreibung verdummt uns Deutsche! Und das ist die eigentliche Absicht, die hinter der neuen Schlechtschreibreform steht! Das deutsche Volk soll ein Volk von Legastenikern werden!

    Ich bleibe bei der alten RS, basta! Und darin bin ich konsequent! Ich weigere mich sogar, Bücher in neuer RS zu lesen, die kaufe ich gleich gar nicht, bin ständig auf der Suche nach Büchern mit alter RS. Ich lasse mich von den Politikern, die uns die Schlechtschreibreform aufgezwungen haben, nicht bevormunden! Es ist nicht Aufgabe der Regierenden, die deutsche Grammatik zu verhunzen! Wenn etwas an der Orthographie geändert werden muß, ist das Sache der Germanisten und Linguisten! Nach dem jahrelangen Rechtschreibstreit haben sich die Politiker aus der RS-Reform zurückgezogen, und die Bevölkerung darf sich mit der neuen RS herumschlagen! Es wäre Mut und keine Feigheit, wenn die Verantwortlichen der Regierung, die uns die Schlechtschreibreform eingebrockt haben, zu sagen: Ab dem 01. Januar 2007 wird wieder in ALTER RS geschrieben! Das wäre Mut!

    Mit freundlichem Gruß
    Ella

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