Erträumte Welten

Träumen ist wichtig für uns Menschen. Erst der Vorgang des Träumens ermöglicht es uns, Erlebtes wirklich zu verarbeiten und Dinge in unserem Kopf zu sortieren. An die meisten Träume können wir uns dabei nicht einmal erinnern, lediglich die, die wir im Halbschlaf mitbekommen und dann eventuell gar steuern, verbleiben kurz in unserer Erinnerung. Bei diesem “erlebten Träumen” habe ich dann ab und an den Eindruck, das Gehirn schüttet erstmal all das Erlebte auf dem Fußboden aus, sortiert es dann und räumt es wieder ein. Anders sind Träume wie der von heute Morgen nicht zu erklären. Der nämlich ging so:

Ich bewegte mich mit einem Avatar durch ein Online-Rollenspiel. Eine kleine beschauliche MMO-Welt mit erstaunlich guter Grafik und überzeugenden Figuren. Ich wanderte umher, redete hier und da mit Jemandem und entdeckte schließlich ein verlassenes Bahnhofsviertel. In einer hinteren Ecke fand ich einen verschlossenen Schuppen vor. Und weil MMOs einen gern vor Rätsel stellen handierte ich ein wenig rum, öffnete den Schuppen und fand .. hinter der Tür .. Darth Vader. Lebend.
Keine Ahnung, was der Herr in dunklem Anzug dort suchte, und auch keine Ahnung warum ich Angst bekam, aber ich entfernte mich zügig von dem Fleckchen virtueller Erde. Und zwar so unauffällig auffällig, wie man das eben so tut, wenn man etwas angestellt hat, das man lieber nicht angestellt hätte und es nun so hinterlässt als hätte man Nichts damit zu tun.
Ich ging also. Erst virtuell, dann real. Ich loggte mich aus, und verschwand in einem Meeting mit Kollegen. Nach fünf Minuten im Meetingraum sah ich durch die Glasfront im Gang … Darth Vader wandeln.
Und weil ich, wie sich jetzt herausstellte, bei der Firma arbeitete, die das MMO betrieb, wurde ich auch sofort darüber aufgeklärt, dass Darth Vader den Schlüssel hätte – um aus der virtuellen Welt in die reale zu kommen. Allgemein fragte man sich nun, wer denn so wahnsinnig gewesen sei, den Kerl freizulassen, und irgendwie wusste man sofort, dass ich es gewesen sein musste.
Weil es aber mein Traum war, machte man mir keinen Vorwurf und fragte sich, wie man den Sith Darth Vader nun wieder losbekommen würde. Schließlich habe man ihn ja bereits einmal eingeschlossen gehabt.
Darth Vader derweil hatte beschlossen denjenigen zu töten, der ihn freigelassen hatte. Klingt nicht logisch, ich weiß. War aber ja auch nur ein Traum.
Nach ein paar Minuten des Gängewandelns trat ihre Lordschaft jedenfalls in den Meetingraum, blickte sich um und fragte höflichst nach seinem Befreier. Niemand antwortet, ich drehte mich weg und Vader begann damit sich die Menschen ganz genau anzuschauen. Als er niemanden identifizieren konnte, forderte er uns auf, etwas über uns zu erzählen. Ich stellte mich – mit verborgenem Gesicht – schlafend und entging dem Vorstellungsreigen fast. Bis mich Vader mit Nachdruck nochmals aufforderte.
Ich erfand eine kleine Biografie, einen neuen Namen und beschloss damit durchzukommen. Doch als Vader nach Beendigung der letzten Vorstellung nicht zufrieden war, beschloss er, seine Kräfte einzusetzen.
Er las die Gedanken eines jeden Anwesenden (kann er das eigentlich). Ich dachte mit Mühe an Dumm-diedel-dumm-die-die und nachdem er meinen Sitznachbarn als sein Opfer auserkoren hatte, nahm ich an, mein Trick hätte funktioniert.
Er überreichte dem Kerl zu meiner Linken eine “Todespille” (hä?) und lies die Anderen gehen. Bis auf mich. Ohoh!
“Dachtest Du wirklich, Du entkommst mir?”, fragte der dunkle Annakin mit gewohnt brummiger Stimme und offenbarte seinen Trick, die Todespille war nur Traubenzucker. Mein Sitznachbar verließ den Raum, froh seines Lebens und ließ mich mit Lord Vader zurück.
Ich stammelte ein wenig rum, von wegen “gehofft hatte ich es schon”, lächelte einmal schief und … wachte auf.

Die starken Kopfschmerzen, mit denen ich übrigens aufwachte, kommen ganz sicherlich von diesem Traum. Entweder von Vader selbst, oder von meiner Großhirnrinde, die angesichts eines solchen Schwachsinns Schmerzen erzeugen musste.
Ich glaube eher an die Vader-Version … 😉

Oh, und Darth Vader ist echt ein netter Kerl. Höfflich dazu. Wirklich. Meint man ja eigentlich immer nicht, wenn man ihn so sieht. Aber er ist wirklich nett. Trotz dieses Todezeugs.

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4 Kommentare

  1. Keine Bange. „Darth Vader derweil hatte beschlossen denjenigen zu töten, der ihn freigelassen hatte.“ Träume über den Tod kündigen nie den leiblichen Tod an. Vielmehr sind sie als Veränderung zu deuten.

  2. Ja Träume können schön sein stimmt schon, die sind aber nich mehr schön wenn die wahr werden. Ich hatte vor ein jahr einen Autounfall als mitfahrer wo wir nen baum kennengelernt haben. Jetz denkt Ihr bestimmt:“das is ja schlimm“. was es auch ist aber davor (ca. halbes Jahr) hab ich von so einen unfall geträumt schon seltsam oder??
    Das erinnert mich immer an die Worte: „Das Schicksal kann nicht geändert werden“.

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