Die Zurückhaltung beim Elektro-Auto.

Die IAA feiert das Elektro-Auto. Ab 2012 wird nahezu jeder Autobauer einen Voll-Hybrid oder ein reines Elektro-Auto im Angebot haben. Doch so sehr man die Elektrofizierung der persönlichen Mobilität feiert, so sehr wird sie nie stattfinden.

Das Elektro-Auto ist einfach nicht geeignet für das Modell Auto.

Batterien sind teuer
Lithium-Ionen-Batterien sind teuer. Das hat mit ihrer Produktion und dem Material Lithium zu tun. Lithium ist selten, die drei größten Reservate liegen jeweils über 2000 Meter Höhe in Chile, Argentinen und dem Himalaya. Lithium aus Vulkansalzen zu gewinnen dauert, der Transport dauert und die Elektronik-Industrie mit Akkus in Laptops, Handys oder Akku-Schraubern ist ein starker Konkurrenz beim Kampf um das Material.
Automobilität allerdings definiert sich auch über das Thema Preis. Das verdeutlichte der Run auf die “Umweltprämie” der Bundesregierung so gut, wie selten etwas zuvor. Legt man 2500 Euro zum Neuwagen hinzu, setzt das Hirn und die langfristige finanzielle Planung des eigenen Haushalts aus.

Batterien sind schlecht
Die Lithium-Ionen-Batterie gilt derzeit als der beste Energiespeicher. Trotzdem hält er nicht lang. Derzeitige Elektro-Autos schwanken beim Thema Reichweite zwischen 100 und 180 Kilometer pro Ladung. Im Schnitt sind es 120 Kilometer. Das reicht für den Stadtverkehr. Normalerweise. Über den Radius 100 Kilometer sollte man allerdings nicht hinaus fahren, es sei denn, man rechnet drei Stunden für das laden der Akkus mit zur Reisezeit.
Statistisch gesehen bleiben wir im Berufsverkehr im Umkreis von 60 Kilometern um unseren Wohnort. Leider ist das Leben eben nicht immer statistisch. Aus dem Weg zur Schule am Morgen, Beruf tagsüber, Sport am Nachmittag und Essen mit Freunden am Abend kann schnell ein Radius werden, der über die statistische Kilometergrenze hinaus geht. Und wer mag schon abends um 23 Uhr am Straßenrand stehen und auf die Lieferung einer neuen Batterie warten? 

Strom ist dreckig
Strom muss erzeugt werden. Und unser Strom kommt noch immer überwiegend aus Quellen wie Kohle, oder aus Atomreaktoren. Ersteres ist auch keine bessere Alternative als Öl, Zweiteres ist hochgefährlich und in die Zukunft gerichtet stellt sich die Frage, wohin mit dem Müll. Wer Elektroauto sagt, muss auch ganzeinheitliche Energiepolitik sagen. Unser Bedarf nach Strom wird größer und größer, die Frage muss also sein: Wo kommt der Strom her, und was passiert, wenn wir in Deutschland tatsächlich bald eine Million Elektroautos haben, die alle über Nacht geladen werden wollen.

Menschen sind Gewohnheitstiere
Der Prius von Toyota verkauft sich glänzend. Trotzdem stellt sich die Frage: Warum nicht noch besser? Wir wissen alle, dass die Öl-Reserven zu Ende gehen. Wir wissen alle, dass die Verbrennung von Öl schlechte Luft macht. Menschen in großen Städten müssten eigentlich mit Protestmärschen auf die Straße gehen und Elektroautos fordern. Für weniger Lärm und bessere Luft. Jedoch: Nichts passiert.
Menschen wollen starke Motoren, sie wollen Energie im Tank, wenn sie sie benötigen. Niemand will sein Auto allabendlich an eine Steckdose klemmen. Man stelle sich vor, nur 5% der Elektroauto-Nutzer vergessen dieses abendliche Ritual und können deshalb nicht zur Arbeit, zur Schule oder zu einem Termin. Hier könnten in Fahrbahnen (bspw. Autobahn-Abschnitten) verbaute Induktionsschleifen helfen, welche die Batterien kabellos beim drüberrollen aufladen. Frage nur: Wer baut das? Und wer zahlt das?

Die Autoindustrie predigt das Elektroauto. Und gleichzeitig versucht man die Erwartungen zu dämpfen. Von einem Prozent aller verkauften Autos im Jahr 2015 spricht man in der Regel, wenn es um den Anteil von Elektroautos geht. Der Rest wird weiterhin konventionell angetrieben. Mit kleinen Motoren, niedrigem Verbrauch und unterstützenden Hybrid-Elektroantrieben. Vom Öl werden wir uns nicht trennen. Nicht in 10, 20 und auch nicht in 30 Jahren. Es sei denn, irgend jemand kommt auf eine brilliante Idee. Wasserstoff ist diese Idee übrigens auch nicht, denn die Energie, die man in Produktion, Transport und Lagerung von Wasserstoff steckt ist immens und steht in keiner Weise im Verhältnis mit der Energie, die Wasserstoff letztlich wieder abgeben kann.  Und auch diese Energie muss schließlich irgendwoher kommen. Aus Kohle, Öl, …

Wir müssen besser mit unseren Ressourcen umgehen. Der Auto-Industrie beim Thema Öl allerdings alleinig einen Alternativdrang aufzubürden ist falsch. Oder wieviel Erdgas und Öl verbrennen Sie (und ich) in jedem Jahr für Heizung, Ofen und Grill?

Wenn wir von Elektroautos sprechen, müssen wir auch von Ölheizungen, Atomkraftwerken und Kohleöfen sprechen. Wir müssen darüber sprechen, dass in 10 Jahren noch immer die Autos auf den Strassen unterwegs sein werden, die heute auf ihnen fahren. Wir müssen darüber sprechen, dass die Autoindustrie massiv beeinflußt werden muss – noch mehr allerdings auch der Mensch. Der Kunde. Und wir müssen darüber sprechen, was es kosten wird. Lithium zu fördern, Benzin herzustellen, aber in immer kleineren Mengen zu verkaufen, oder Strom zu erzeugen. Denn Autofahren durch Elektroantriebe sauber zu machen, das damit gesparte Öl aber in Kraftwerke zur Stromerzeugung zu kippen, ist irgendwie keine Lösung.

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7 Kommentare

  1. Der Unterschied von Strom zu Öl ist doch eigentlich ganz einfach. Strom KANN klimaneutral gewonnen werden, beim Öl ists da spätestens beim verbrennen vorbei mit klimaneutralität.

    Das solarthermische Großprojekt auf dem afrikanischen Kontinent zeigt ganz gut wie man das Problem der Energiegewinnung (ob für den Akku eines Autos oder die Erzeugung von Wasserstoff) lösen kann.

  2. Mein Vorschlag wäre erstmal: Innerhalb von Großstädten im A Bereich (bzw.000 oder eben in der durch ÖNV best abgedeckte Zone) keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zulassen. Das Hamburger Stadt-Rad Projekt zeigt, das man die Busse und Bahnen auch nicht überfüllen muss.

    Zudem gibt es überdachte Fahrrad Taxis. Lieferverkehr könnte man dann weiterhin erlauben. Ich bin überzeugt, dass es funktionieren würde. Es würde die mobile Freiheit nicht einschränken, sondern nur die motorisierte Freiheit.

    Wer sich mal Städte, wie Palermo angeschaut hat, in denen es praktisch keine Fußgängerzone gibt, der merkt schnell, dass entmotorisierte Zonen beliebig in Wohngebieten erweiterbar sind – mit eher positiven wirtschaftlichen Folgen.

  3. Die verbleibenden Ressourcen sollten tatsächlich dazu genutzt werden, um die Möglichkeiten zur Energiegewinnung aus der Umwelt zu schaffen. So sollten viel mehr Gelder und Rohstoffe in die Entwicklung von Windkraftwerken, Wasserkraftwerken, Photovoltaik und ähnlichen Energiewandlern gesteckt wird.

  4. Stimmt absolut. Ich habe gelesen, dass die riiiiiesige Erdölvorkommen vor der Küste von Nigeria und Brasilien gefunden haben. Das Öl reicht noch für Jahrzehnte. Ausserdem werden Ölfördertechniken immer weiter entwickelt. Öl kann bald auch aus tiefstem Ozean gefördert werden. Und ein grosser Teil der Erde (und auch Öl) liegt ja unter Wasser…

  5. das elektroauto wird kommen, das ist für mich völlig sicher. aber ob die deutschen hersteller an dem erfolg teilhaben werden ist die frage, es sieht ja eher so aus als ob sie den trend mal wieder verschlafen. wie beim russfilter seinerzeit…

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