Geister.

Mein Elternhaus ist alt. Eine Villa, gebaut 1895. Groß.
Die Treppe zum Keller hinunter habe ich als Kind gehasst. Gefürchtet. Sie war eng, dunkel, feucht.
Ich habe sie nicht gefürchtet, weil ich hinunter fallen könnte. Ich hatte vor den Geistern dort unten Angst.
Klingt albern, oder? Ich glaube nicht an Geister. Aber als Kind fürchtet man sich vor sowas. Selbst, wenn man weiß, dass es Geister nicht gibt. Selbst, wenn man noch nie welche gesehen hat.
Aber ich habe als Kind immer gefürchtet, dass, wenn ich das Licht anschalte dort unten am Ende der Treppe einer stehen wird. Und zu mir herauf schaut.

Ich habe keine Angst vor Geistern. Ich glaube nicht daran.

Und doch.

Als es meinem Vater zusehens schlechter ging, erwartete ich jederzeit einen Anruf. Den Anruf.
Und ich fürchtete eine Heimsuchung. Fürchtete, irgendwann wird er hier stehen. Nichts sagen. Nur kurz zu Besuch kommen.

Ich glaube nicht an Geister.
Und so kam er nicht. Ich bin froh drum.

Meine Mutter meinte einige Tage nach dem Tod meines Vaters zu mir, sie hätte seine Kleidung weggeschmissen. Als erstes. Ungeprüft, Ungesehen.
Er hätte dabei die ganze Zeit in der Ecke gestanden, und geschimpft.

Ich glaube nicht an Geister.
Außer an die, von denen wir uns verfolgen lassen.

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