Leipzig – Die Hype-Stadt

Leipzig. Das neue Berlin. Das neue Coole Ding. Das neue Heim der Kulturschaffenden. Der neue Städtehype, der nun auch einen Namen hat: #Hypezig. Ach, wie herrlich.

Seit einem Jahr gibt es land-rauf und land-runter Liebeserklärungen an die Heldenstadt von 1989 – Spiegel, Focus, selbst die New York Times. Das freut das Leipziger Herz – so impliziert es zumindest ein neuer TV-Beitrag des ZDF. Aber, ach, ZDF. Würdest Du diese Stadt kennen, du würdest es anders ausdrücken. Denn tatsächlich geht den Leipzigern das ewige Gehype „uff’n Keks„, wie mir hier so’ch’n. Es kommt aus den Ohren raus. Der Leipziger weiß: Leipzig ist cool, und es war schon immer cool, selbst als die Medien, Reporter und Alt-Berliner, die jetzt hier her kommen, noch nicht einmal wussten, dass es Leipzig überhaupt gibt. Aber niemand, der wirklich cool ist würde eben behaupten cool zu sein. Understand 😉

Ich mag die Stadt. Ich bin auch nur „Zugezogener“.
Als wir 2006 hier her kamen, da haben wir uns spontan verliebt in diese Mischung aus Ruine, Blüte, Leben, Laut und Leise und Bunt und Grau. Leipzig, das habe ich damals schon jedem erklärt, wacht gerade auf. Und es gibt nichts spannenderes als der Stadt dabei zuzusehen. Sechs Jahre danach erntet man vielleicht einfach das, was man seit dem Ende der Neunziger Jahre gesät hat. „Selbst eingebrockt“, quasi. Also „Live with it“? Zuweilen schon. Denn lustigerweise stöhnen selbst die vor Jahren nach Leipzig Gezogenen über den Hype. Dabei waren sie doch diejenigen, die ihn mit erzeugt haben. Irgendwie.

Leipzig. Du bist cool. Gräme dich nicht, lebe.

Falls Sie sich jetzt überlegen, unbedingt hierher ziehen zu müssen: Bleiben Sie weg. Viel zu gefährlich hier. Überall Gewalt, Drogen und verzweifelte Menschen, die vor Wut Kinderwägen umtreten. Außerdem liegt der Durchschnittslohn bei 1000 Euro Netto und die Leute sagen ‚leggor!‘, wenn ihnen etwas schmeckt., schreibt bloggt André Herrmann in sein Blog.
Ich befürchte, genau darauf aber stehen die Leute. Berlin war ja auch mal cool, weil es so nonkonformistisch war.

Zeit, Häuser zu besetzen und Plakate auszurollen: „Leipzig. We’ll stay.“, so als Ansage, dass der echte Leipziger auch in zwei Jahren noch da ist. Oder zumindest die, die sich für echte Leipziger halten. Time for the Revol’u’schn! Again.

*Hypezig – danke für diese tolle Worterfindung an André Herrmann.

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Ein Kommentar

  1. Ich halte aus. Seit einigen Jahrzehnten . Ok, ich war mal weg, bin aber immer wieder gekommen, weils woanders doof ist. Und so sehr mir die Leute, die Leipzig hipp finden, auf den Keks gehen (das fing eigentlich schon an, als die aus dem in den 80ern entstandenen L.E., damals durchaus augenzwinkenrd gemeint, eine Marke machten.) Ich versuche auch weiter auszuhalten. Obwohl ich natürlich etwas Angst habe. Wenn Leipzig wirklich wie Berlin wird, muss ich hier weg. Weil Berlin finde ich doof (wie ja alles, was nicht Leipzig ist). Da bleibt dann nur die Flucht ganz wo anders hin, Guinea zum Beispiel, oder Edinburgh, oder ein Dorf in Rumänien, oder… ein Stadtviertel in Leipzig, das nicht im Süden liegt, oder im Westen. Ich könnte natürlich auch im Wohnmobil…

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