Von Menschen, die Kindern Bonbons aus dem Mund klauen.

Symbolbild: Esther Wieringa

Ich bin vom Prinzip her jemand, der versucht ohne Vorurteile auszukommen. Jemand, der an das Gute glaubt. Auch, wenn er mit einer ausufernd großen Portion Sarkasmus durch die Welt läuft. Denn natürlich verkenne ich die Realität der Welt nicht, zu der eben auch Gewalt und Kriminalität gehören. Himmel, wenn man es ganz pingelig nimmt, ist jeder von uns zu einem gewissen Grad ein Krimineller und Lügner. Das gehört zum Menschsein dazu – Licht und Schatten, wie man so schön sagt.

Ich kann auch nachvollziehen, dass man durch Neid, Verlangen oder akute Langweile den Besitz anderer begehrt. Mir wurden schon ein iPod und ein iPhone geklaut – das ist ärgerlich, war aber in beiden Fällen auch ein meine eigene Blödheit. Deswegen: Geben und Nehmen. So gesehen glaube ich an Karma, und offenbar hatte ich damals zwei jeweils schlechte Phasen. Sei’s drum.
Jeder, der schon einmal richtig beklaut wurde, wird mir jetzt einen Vogel zeigen. Meiner neuen Büro-Nachbarin hat man vor nicht zu langer Zeit ihr Foto-Studio ausgeräumt. Uncool und teuer. Daher kann ich verstehen, wenn sich mancher jetzt an den Kopf greift, weil ich naiver Weise hier ins Blog kritzele, dass Diebstahl in einem gewissen Rahmen nicht wild ist. Aber eigentlich will ich damit nur klar machen – und das soll jetzt niemanden dazu animieren, mir reihenweise das Zeug abzunehmen und mein Haus auszuräumen -, dass ich „Diebstahl“ in einem gewissen Rahmen akzeptieren kann, das Verständnis dafür fehlt mir indes aber.

Womit ich – um auf das ‚leben können‘ zurück zu kommen – nicht leben kann, ist „Diebstahl mit geistiger Armut“.
Was nämlich meinen Glauben in die Menschheit erschüttert, ist der Diebstahl von Dingen die offenkundig Schwächeren gehören. Kindern zum Beispiel.

Vor zehn Jahren wurde uns ein Kinderwagen gestohlen. In der Kinder-Arzt-Praxis.
Heute ein Schlitten.

Entschuldigung, aber das ist echt derbe zu viel.
Wir haben hatten bisher drei Schlitten. Und nachdem unser ältester Sohn jetzt 11 Jahre ist, ist es kein so großes Drama, wenn der künftig keinen Schlitten hat – aber das ändert am Prinzip nichts. Kinderwägen, Schlitten, Kinderfahrräder und dergleichen zu klauen ist ebenso übel wie Rollatoren, Rollstühle und ähnliches. Was bitte muss im Kopf von Jemandem vorgehen.
Sicher, beim Schlitten jetzt wird es eher einer der Dorfjugendlichen gewesen sein, die das genial fanden. Und die Geschichte über das auffallend mangelhafte Ehr- und Respektsverständnis Jugendlicher (heilige Scheisse, habe ich das jetzt echt geschrieben? Ich, mit 32?) ist eine andere … aber ey, Alter (!), ein Schlitten! Dann bring ihn heute Abend wenigstens wieder zurück. Deine Mutter (!), Alter!

Ach … Echt.

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