Kinder an der Tür

Es klingelt. Ich öffne die Tür. Davor steht ein Freund meines ältesten Sohnes – offenkundig will er fragen, ob dieser raus kommen kann. Die Sonne strahlt draussen, es wird langsam Frühling.
Und ich habe ab und an diabolischen Spaß dabei, die Freunde von Kind1 – alle direkt in der Einstiegsphase der Pubertät zwischen 11 und 13 Jahren – sprachlich auflaufen zu lassen.

„Ist [K1-Name] da?“, fragt der Freund an der Tür.
Ich sage: „Ja“.
Darauf folgt ein langes, langes Schweigen und Starren seitens des Freundes.
„Ja?“, frage ich.
„Ähm“, stottert er.
Pause. Pause.
„Kann er rauskommen?“
„Klar“, sage ich. Und warte. Auf die nächste Frage.
Pause. Schweigen. Starren vom Freund.
„Ähm … Darf er?“
Darauf hatte ich gewartet: „Nein. Er macht Hausaufgaben.“
Starren. Schweigen. Man sieht, die Rädchen rattern in ihm.
„Okay …“, atmet er aus, überlegend, was sein nächster Schritt in dieser Konversation sein könnte.
Ich erlöse ihn: „Komm in einer halben Stunde noch einmal vorbei, dann kommt er mit raus, ja?“
Pause. Starren. Er arbeitet. Ein langgezogenes, fragendes „Jaa..aaa…?“ verlässt seinen Mund.
Er dreht sich um. In Zeitlupe. Und trottet davon.
Ich schließe die Tür. Lächle. Manchmal kann ich so gemein sein 😀

Disclaimer: Ich bin übrigens nicht immer so … Und zu den kleineren Freundinnen meiner Tochter bin ich wesentlich lieber, mit denen lache ich gern 😉

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6 Kommentare

  1. Nope. Maenner landen mit 35 Jahren in einer Phase, in der sie das Leben von Teens schwer machen und sich daran aufgeilen, dass zwischen koennen und duerfen ein Unterschied herrscht und Implizieren eine unmoeglichkeit ist.

    Dialog im Optimalfall:

    a: ist k1 da?
    b: ja, aber er hat erst hausaufgaben zu machen ehe er raus kommen kann

    Wow, cooler Daddy. Manche werden nicht als Saeugling geboren sondern gleich 35 😉 😛

  2. Wie geschrieben, nicht jeder Dialog ist so – in der Regel antworte ich auf „Ist K1 da?“ mit „Ja, warte ich hol ihn“ oder dergleichen. Aber manchmal hab ich eben das kleine Teufelchen auf der Schulter sitzen. Und das sagt dann: „Ey, wenn der nicht mal ‚Hallo‘ sagen kann, dann kannst Du auch böse sein“ … 😉

  3. Solche spiele mache ich mit unserem Kind eher am Frühstückstisch! Da kann man dem Kind auch beibringen wie man Fragen stellt…. 😉

    Aber ich glaube diese Ader hat jeder in sich. Also weitermachen!

    Gruss Thomas

  4. Apropos Geschichten.
    Was ist jetzt eigentlich mit diesem Vater-Online-Magazin? Wir das kommen? Sollte das nicht bereits erschienen sein? Oder ist es das gar und niemand hat etwas mitkommen?

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