Star Trek Into Darkness

Zum letzten Star Trek Film habe ich einen Spoiler-freien Review geschrieben. Das kann ich nach der Premiere gestern mit STAR TREK INTO DARKNESS diesmal leider nicht. Deswegen: Schaut ihn euch an, und dann lest dies hier – ich freue mich auf eine Diskussion.
Nur so viel: Ich fand ihn gut, hatte aber auch mit ein, zwei Dingen Probleme. Und Chris Pine hat unheimlich viel Momente, in denen er tatsächlich wie der junge William Shatner 1966-1969 wirkt, großartig!

Nun aber …
[AB HIER ENTHÄLT DER REVIEW SPOILER]
(Groß geschriebenes Star Trek meint immer den Film von 2009)

STAR TREK INTO DARKNESS ist ein guter Film. Er beginnt mit einem doppelten Verstoß der ersten Direktive, welcher zur Abberufung Kirks von der Enterprise führt. „Sie nehmen Ihnen die Enterprise weg“, sagt Pike zum jungen Captain – und das ist gut. Denn die Berufung vom Kadetten zum Captain in STAR TREK ging wesentlich zu schnell. Kirk reift in INTO DARKNESS, der ganze Film und nicht zuletzt das ultimative Opfer, welches Kirk am Ende erbringt, handeln von dieser Reifung. Neben der Tatsache, dass Kirk und Spock zusammen wachsen, aus ihnen das Paar wird, welches die originale Star Trek-Serie so sehr definiert hat.

INTO DARKNESS enthält unheimlich viele Referenzen in das bestehende Star Trek Universum. Die Offenbarung, dass der Anschlag in London beispielsweise einer geheimen Anlage der „Sektion 31“ galt, ist nicht nur Futter für den Film und die Verstrickungen Admiral Marcus‘. Es ist auch die Andeutung, wie die Sektion 31 ebenfalls in der originalen Zeitlinie entstanden sein könnte – die unheimlich gute Einbindung jagte mir ehrlich gesagt einen kleinen Schauer über den Rücken und ließ eine Vorahnung aufkommen, was da kommen mag. Wunderbar auch: Als Admiral Marcus in seinem Büro an den Schiffen vorbei schreitet, und man dort nicht nur die Cochrane-Rakete, sondern auch Archers Enterprise sieht.

Nach dem schon im Trailer sichtbaren Trailer auf das Sternenflotten-Kommando geht es für Kirk und Spock nach Kronos, auf den klingonischen Heimatplaneten. Dort angekommen sieht man als Trekkie sofort: Praxis ist bereits explodiert. In der originalen Zeitlinie wird dies erst in Star Trek VI passieren. Holla!
Was mich in der Handlung dann allerdings etwas stört: Die Klingonen werden zwar auf Kronos selbst auf Kirk und Co. aufmerksam, die aber gerade mal 20 Minuten vom Heimatplaneten entfernt gestrandete Enterprise entdeckt das Imperium nicht. Dafür enthält der Flug von Kirk, Spock und Uhura die wohl witzigste Szene des Films, als Uhura und Spock ihr Beziehungsproblem ausdiskutieren – „Den Captain stört das auch„.

Ab hier nun läuft Benedict Cumberbatch zur Form auf. Die Szenen Cumberbatchs in der Brick gehören neben einer späteren Szene zwischen Spock und Kirk zu den Höhepunkten von INTO DARKNESS. Hier offenbart er auch seine wahre Identität – und der Fan wird feiern. Denn er ist tatsächlich die Neu-Zeitlinien-Versionen von Khan Noonien Singh – der in Fan-Kreisen nicht zuletzt wegen der Darbietung von Ricardo Montalbán im originalen Star Trek II gern zum Lieblingsfeind von Kirk ersonnen wird.
Allerdings muss ich sagen, ist Khan hier noch besser als im Original. Denn seine Motive sind nicht Rache, sondern Liebe. Cumberbatch liefert insgesamt eine hervorragende Vorstellung ab, die ihn in eine Reihe mit dem originalen Khan und der Borg-Königin in Star Trek 8 stellen dürfte. Ein wenig Atmosphäre geht in der deutschen Synchronisation leider verloren, weil die Ausdrucksweise Cumberbatchs im deutschen etwas übertrieben wird. Überhaupt die Synchro: Ich werde die englischsprachige Version von INTO DARKNESS zwar erst in den kommenden Tagen sehen, insgesamt fand ich die Synchro aber nur „solide“, denn es gibt Szenen in denen die Synchro einfach nicht zu den Ausdrucksweisen der Protagonisten passt. Insbesondere bei Cumberbatch fällt das eben sehr extrem auf. In einer kurzen Szene mit Kirk ist die Synchro gar versetzt – Kirk fängt hier schon an zu reden, bevor seine Stimme zu hören ist. Das trübt das Erlebnis ein klein wenig (und dabei bin ich eigentlich nicht der Typ, der mit deutscher Synchro-Arbeit Probleme hat).

Der Film ist insgesamt durchaus schlüssig, dicke Logik-Löcher wie in STAR TREK gibt es ebenso wenig wie der doch sehr oft anwesende Zufall. Hier scheinen sich Bob Orci und Alex Kurtzmann, die beiden Drehbuchautoren, tatsächlich die Kritik zu STAR TREK zu Herzen genommen zu haben.

Und doch gibt zwei Entwicklungen im Film, die ich nicht unbedingt mag. Und beide haben mit Spock zu tun. Eine mit dem neuen Spock, die andere mit dem Prime-Spock. Zuerst zum Prime-Spock: Ich fand den Auftritt von Leonard Nimoy eine Verschwendung.
Ich mag Nimoy wirklich, aber seine Einbindung in den Film ist weder ein Schmankerl für Fans, noch ein Gewinn für die Crew der Enterprise. Denn der neue Spock fragt sein Pendant aus dem originalen Universum, wie er mit Khan fertig geworden ist. Statt also selbst auf eine Lösung zu suchen, holt man sich Rat bei Papa. Das wirft die Entwicklung, welche die Crew im Film macht, hin zum Erwachsenen, wieder ein wenig kaputt. Gleichzeitig funktioniert die Szene im Film nicht, weil man STAR TREK kennen muss, um sie zu verstehen. Hat man den Vorgänger nicht gesehen, versteht man die Szene einfach nicht.
Das zweite Problem: Der neue Spock. Ich mag Zach Quinto und seine Darstellung, auch wenn ich bei ihm nicht die vielen „Erinnerungsmomente“ habe, wie bei Chris Pine, der mich wirklich häufig an den jungen Shatner erinnert (im positiven Sinn). Aber ich mag den neuen Spock nicht. Der Kerl ist für einen emotionslosen Vulkanier unheimlich wütend. Insbesondere wenn man STAR TREK und INTO DARKNESS hinter einander weg schaut, fällt auf, wie viel Spock prügelt und wütet. Er kommt nicht an das immense Prügel-Maß an Kirk ran, aber ich finde für einen Vulkanier ist er zu wütend. Auch, wenn seine Rage am Ende des Films natürlich verständlich ist. Prime-Spock allerdings hat sich immer bemüht, mehr vulkanisch zu sein – blitzten seine menschlichen Gene durch, war dies immer ein aufflammen, eine Sekunde. Der neue Spock ist dahingegen unheimlich emotional. Im Vergleich fällt das als größte Veränderung im neuen Star Trek auf.

Dahingegen gibt es zwei unheimlich gute Dinge in diesem Film – neben Benedict Cumberbatch. Die eine findet zwischen Kirk und Scotty statt. Wenn sich Kirk auf die Jagd nach Khan macht, dann gibt es zu Beginn eine wichtige moralische Frage. Und die ist die Sternstunde von Simon Pegg im Film. Er weigert sich die Torpedos, die eine wichtige Rolle im Film spielen, an Bord zu zu lassen, wenn er nicht erfährt, was sie sind: Entweder ich oder diese Torpedos. Und er beharrt auf seinem Standpunkt, quittiert am Ende gar den Dienst auf seiner geliebten Enterprise. Das ist ein unheimlich dichter Moment, erst Recht als er sich zu Kirk lehnt und ihn „in aller Freundschaft, Jim“ um den persönlichen Gefallen bittet, diese Torpedos nicht an Bord zu lassen.
Danach hat Scotty noch erhebliche Screentime, und ich mag die Spielweise, mit der Pegg den schottischen Ingenieur gibt. Bei allen Lachern, für die er sorgt – diese eine Szene zu Beginn des Films erdet ihn und zeigt, was für ein Mann dieser Montgomery Scott eigentlich ist.

Die zweite unheimlich gute Szene im Film ist keine Szene. Es sind vielmehr fünf Minuten Film, und eine Entscheidung Kurtzmanns und Orcis.
Es ist das Opfer James Tiberius Kirks. Seine Entscheidung das Schiff und seine Besatzung selbst zu retten. Nun könnte man die Entscheidung Kirks, selbst in den Reaktor zu gehen, natürlich als Feigheit interpretieren: Er schickt niemand anderen, er entzieht sich seiner Verantwortung als Captain. Tatsächlich ist es aber eine Entscheidung, die Sinn hat: Er sieht das Schiff mit Spock in guten Händen, er trifft die für ihn ausweglose Entscheidung, der er mit dem Betrug im Kobayashi Maru-Test in STAR TREK und der Verletzung der Ersten Direktive zu Beginn von INTO DARKNESS aus dem Weg gegangen ist.
Zugleich ist es dieser Tausch der Rollen von Kirk und Spock, die vieles über die Beziehung der beiden aussagt. Denn in Star Trek II – Der Zorn des Khan ist es Spock, der das Opfer bringt und stirbt. Und es ist Kirk, der (in anderem Zusammenhang) jenen legendären Ausruf „Khaaaaan!“ tätigt. Der Tausch der Rollen ist ein wirklich riesiger Coup, den INTO DARKNESS hier bringt – zumindest für Fans ein riesiger Moment.

Wie nun also ist STAR TREK INTO DARKNESS?
Großartig. Er bietet viel Action, wieder ein wenig zu viel, aber ok. Er wird nicht jedem Trekkie gefallen, wie schon STAR TREK. Aber das kann auch nicht der Anspruch sein. Fans sollten eher sehen, dass dieser Film das Franchise am Leben hält – und nur dank ihm können Produkte, Ideen und Bücher leben. Eine Fernsehserie indes scheint – zumindest als Realverfilmung – indes noch in weiter Ferne. Paramount hat, was Serien anbelangt, in den letzten Jahren nicht unbedingt ein glückliches Händchen.

J.J.Abrams hat im Vorfeld wissen lassen, dass er keinen Film nur für Trekkies machen will. Das ist ihm glaube ich durchaus gelungen, bis auf die Szene mit dem Prime-Spock. Denn die versteht nur, wer den ersten STAR TREK Film von J.J. gesehen hat. Ansonsten ist INTO DARKNESS zwar nicht *der* Sommer-Blockbuster, aber ein sehr guter Film, der mit jeder Menge Keksen für Fans um sich wirft.
Für Teil III steht nun zum Glück einiges offen. Am Ende des Films bricht die Enterprise zu ihrer ersten Fünfjahres-Mission auf – Ideen und auch Filmweise können sich im nächsten Film also unterscheiden, ohne, dass es inkonsequent erscheint. Zur richtigen Trilogie würde das neue Star Trek zwar nur, wenn Abrams auch im nächsten Film Regie führte, aber ein Bruch wäre vertragbar. Auch in diesem Film setzt Abrams wieder auf eine nervöse Kamera und viel Lens-Flare. Das ist sein stilistisches Element, und es ist auch in Ordnung – ich würde die Enterprise und Sets aber durchaus auch gern mal richtig sehen … Vielleicht haben wir im nächsten Film die Chance, Abrams widmet sich jetzt erst einmal STAR WARS, mal sehen, was mit Star Trek passiert. Der nächste Film wäre natürlich in 2016 zum 50sten Geburtstag von Star Trek gigantisch …

STAR TREK INTO DARKNESS ist ein guter Film. Er zeigt die Entwicklung von Kirk und Spock, macht Lust auf mehr. Ich mag dieses Star Trek, Ende. Schaut ihn euch an, und dann sagt mir, wie ihr ihn findet 😉

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5 Kommentare

  1. *Spoiler enthalten*
    Sehr gutes Review, das sich auch mit meinen Eindrücken und Gefühlen deckt: großes ABER sage ich bei Spock. Ich glaube, dass die momentane Situation eher einen Schritt zum Spock darstellt, den wir kennen und mögen. Spock ist noch jung und hat seine Emotionen und vor allem seine menschliche Seite noch nicht im Griff. Wir kennen den Spock immer nur während oder nach der 5-Year-Mission. TOS spielt ja auf dieser 5 Year-Mission. Insofern wird der Spock in diesem Paralleluniversum reifen. Er lernt aus den Erfahrungen wird (so denke ich) in den nächsten Star-Trek-Filmen (wann immer sie kommen werden, ich hasse es, dass JJ Star Wars machen wird, gerade nach diesem Film!) zu dem Spock werden wird, wie wir ihn kennen und lieben,
    Hinzufügen möchte ich noch, dass die Einführung von Dr. Carol Marcus und Schwester Chappel mir – wie fast der gesamte Film – ein riesengroßes Lächeln auf das Gesicht zauberte. Ich wartete jede Sekunde auf die Kirk-typische Liebesszene (von den beschwänzten Divas (großartigst!!) mal abgesehen), aber wir wissen alle, was kommen wird. Insofern freue mich auf den nächsten Star Trek, in dem allerhöchstwahrscheinlich die Klingonen eine Schlüsselrolle spielen werden, jetzt wo die Föderation ihren Heimatplaneten besucht hat. Insofern kann ich deine Kritik jetzt nicht entkräften, aber hinzufügen, dass die Zeitspanne zwischen dem Kampf auf Kronos und dem Finale auf der Erde sehr kurz ist und es durchaus sein kann, dass die Klingonen inzwischen Gegenmaßnahmen ergriffen haben und vielleicht schon auf dem Weg zu Erde sind. Wie es weiter geht, ich bin äußerst gespannt.
    Alles in allem rangiert der neue Star Trek bei mir hinter Teil 6 und Teil2&3 auf Platz 3.

  2. Ich finde die Entwicklung von Spock einfach nur „logisch“ und wird *imho sogar sehr gut erklärt. „Prime-Spock“ hat eben nicht seine Heimat verloren, daher kennt er derartige Gefühle – wie sie Spock in der „Streit“-Szene erläutert – nicht.

  3. Faszinierend!
    Deiner Kritik,Thomas ist fast nichts hinzuzufügen,meiner Meinung allerdings hat JJA genau mit der Spock-Prime-Szene einen Film für Trekkies geliefert.Sicher,alle anderen werden diese Szene kaum verstehen,aber mal ehrlich,wer würde in solch einer Situation(rein menschlich gesehen…) nicht Rat suchen,aber wie gesagt,rein Menschlich gesehen…
    Ich gebe ehrlich zu,es waren viele feuchte Augen Momente im Film( die Opfer Szene und der KHAAAN-Schrei-Gänsehaut pur) und der Film hat auch das STAR TREK-Feeling der originalen Crew herübergebracht.
    Anfangs war ich auch skeptisch ob der 3D Effekte muß aber sagen,es hat sich gelohnt. Bin schon gespannt,wie alles dann zuhause auf dem Heim TV wirkt.
    Zu hoffenbleibt für mich jetzt,wann eine Komplettbox aller(1-11) auf BlyRay erscheint,die derzeitige Vermarktung(9,99€ je Film) gefällt mir nicht so,wünschenswert wäre eine Aktion a´la 007 !

  4. Klar war die Szene mit Prime-Spock eine Dreingabe für Trekkies – aber ich hatte dabei trotz allem ein komisches Gefühl. Nun, wäre aber auch langweilig, wenn jeder die gleichen Gefühle hätte … Uns stehen ja bald 50 Jahre Star Trek ins Haus, vielleicht fallen Paramount ja dann endlich mal ein paar gute Merchandising-Dinge ein …

  5. Ein Film zum Fünfzigsten wäre nach dem Erlebnis gestern so schön. Gern auch von einem anderen Director, damit könnte ich auch leben. Deinem Text ist nichts hinzuzufügen.

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