Wenn ich groß bin, werde ich Kritiker

Manchmal bedauere ich ja, dass ich nicht Kritiker geworden bin. Als Schreiber, der einem Kunden, einer Redaktion oder einem Geldgeber verpflichtet ist, muss man immer ein wenig abwägen, was man da schreibt. Als Kritiker aber … Mensch!

Wenn Ozzy Osbourne singt, klingt das, je älter, derangierter und desolater dieser in faltige Menschenhaut eingenähte, ausgetrocknete Molch wird, immer deutlicher so, als geschähe es mit weit aufgerissenen Augen, weil er darüber staunen muss, dass er zwar längst tot ist, aber immer noch quäkt und quengelt.

Kritiker für Essen wäre ich gern geworden.
Lecker Mampf, und wenn es nicht so lecker ist einfach einmal mit dem schriftstellerischen Nudelholz drauf!
Oder Filmkritiker. Ich befürchte aber, der Nilz kann das besser.

Der Werbeaufwand, den der Unterhaltungskonzern Universal vorab in die Atmosphäre gepustet hat, ist von lächerlich weltfremden Dimensionen.

Ach.
Ob es jetzt wohl zu spät ist, mit der Kritiker-Karriere anzufangen?
Ein wenig Hoffnung besteht am Ende ja noch. Schließlich finde ich, habe ich die letzte Verbitterungsstufe des menschlichen Seins noch nicht erreicht. Und ich denke, die wäre noch das Ziel, vor dem perfektionierten Kritiker-Dasein.

Natürlich gibt es heute in jedem zweiten schwedischen Dorf drei Kellerbands, die das, was Black Sabbath einst erfanden, komplizierter, kulinarisch verfeinert, vielleicht sogar technisch versierter zusammenhacken können – aber das sind dann sozusagen mehrfarbige Tätowierungen aus dem klimaregulierten Körperschmuckstudio, während „13“ eben ein im Knast mit einem Gerät aus Nähnadel und elektrischer Zahnbürste auf den Oberarm gestochenes Pentagramm ist: Unhygienisch, ohne Nachsorge, in ranziger Tusche ausgeführt.

Grammatik und Satzzeichen sind als Kritiker wahrscheinlich auch weniger wichtig. Das kommt mir entgegen. Da kann man gern auch mal einen Satz schreiben, der 65 Worte mit 514 Zeichen umfasst. FAZ-Leser kapieren das schon, die sind aufnahmefähig. Wenn auch nur ganz knapp etwas mehr, als Ozzy Osbourne.

Dietmar Dath schreibt über „13“, das neue Black Sabbath-Album: Hier kommt die Mollabfuhr

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