Apple erfindet sich neu. Nur in Schlecht.

Apple hat gestern zum Auftakt seiner Entwicklerkonferenz WWDC das neue MaxOS und das neue iOS 7 gezeigt.
Mit dem neuen Mac Pro zeigt man in der Tat einen mal neuen Ansatz für einen Desktop-Rechner, der nicht allein von der Leistung, sondern vor allem aufgrund seines Design her glänzt. Wie die neuen MacBook Pros – die noch nicht gezeigt, aber für Ende des Jahres angekündigt wurden -, wird auch der Pro in den USA gebaut werden. Das ist schon einmal ein deutliches Signal – bisher ließ Apple vor allem in China produzieren.
Weniger sensationell war jedoch, was nach dem Mac Pro kam. Bei MacOS bietet man nicht viel Neues. Bei meinem geliebten MacBook Air hat man nur ein wenig mehr Leistung und ein massives Mehr an Akkuleistung (12 Stunden Akkulaufzeit für ein 13″-Ultrabook ist schon sensationell) hingelegt. Und bei iOS 7 …? Nun, das sehe ich zwiespältig.

Das neue iOS 7 kommt im Flat Design daher. Und so sehr ich dieses Design mag, so sehr weine ich angesichts dieses Zuges doch. Nein, ich nochte den übertriebenen Ansatz des Skeuomorphismus von Apple nie, weshalb ich die Berufung Jonathan Ives zum neuen UI-Chef sehr begrüßte. Aber anstatt ein Ausrufezeichen zu setzen, und etwas wirklich Neues und – im besten Apple-Sinn – eigenständiges zu erschaffen, rennt man mit dem Flat Design einem von Microsoft erschaffenen Trend hinterher.
Dabei trifft mich nicht mal, dass es Microsoft war, das den Trend setzte. Was ich schade finde ist vielmehr, dass Apple einem Designtrend (und Features) hinterher rennt, anstatt wie in den letzten Jahren immer, selbst einen setzt.
Abgesehen davon sind die Standard-Icons doch etwas sehr bunt …

Und dann wäre da die Neupositionierung von Apple.
Weil jedes Unternehmen sich plötzlich mehr um den Menschen als um Technologie dreht, macht Apple auch diesen Trend mit. Bei Apple ging es immer um Technik, nie (so deutlich vorrangig) um den Menschen. Und 2013 nun, dreht man sich. Deutlich macht das in meinen Augen der neuste TV-Spot, der in den USA seit gestern Abend läuft. So viel Gefühl, so viel Mensch, war Apple noch nie:

Auch der Auftakt-Spot zur Keynote der WWDC war sehr emotional, wenn auch einfach vom Stil.
Aber reicht das als neues Alleinstellungsmerkmal? Reicht das, um der Coole zu bleiben? Reicht das Einlagern des legendären „Think Different“?
Richtig spannend wird es, wenn Apple das neue iPhone auspackt. Und die „iWatch“. Später im Jahr.

Klar, wir befinden uns an einem technologischen Endpunkt.
Was will man für Otto-Normalkunden schon noch in Telefone und Computer packen? Der normale Kunde stellt heute nicht mehr fest, ob da 4 GB RAM oder 8 GB RAM im Rechner stecken. Er sieht nicht mehr, ob der Prozessor 0,5 Mhz schneller ist oder nicht. Das sind keine Kaufargumente mehr. Schon das iPhone 5 war da mehr oder weniger ein Eingeständnis von „wir haben nichts mehr“, weshalb man es einfach ein wenig länger machte. Die wenigen kleinen wirklichen Innovationssprünge – wie die berührungsfreie Bedienung des Samsung Galaxy S4 werden rar.
Deswegen dreht sich heute bei vielen Technikkonzernen alles um den Menschen. Siehe Google, die den Shift erst vor Kurzem zu ihrer Developer-Konferenz hinlegten. Oder Facebook Home. Alle werben mit Menschen, nicht mehr mit Technologie.
„Wir machen Software, die sich um Dein Leben dreht.“
Klar, bei Apple spielt das Design immer noch eine Rolle – das ist der Kern der Marke, den man zum Glück noch nicht aufgibt. Aber mit iOS 7 beweist man auf der anderen Seite auch: „Design können wir, Trends setzen heute andere“.
Microsoft und Android zum Beispiel. Denn iOS 7 wirkt mehr wie „the best of all“, das reicht in den Augen vieler eher nicht. Und ich tendiere den „vielen“ Recht zu geben. Trotz der limitierten Möglichkeiten, die wir in der Innovations-Spirale noch haben.

Sicherlich müssen wir Tech- und Netz-verliebten Mädels und Jungs uns wieder etwas zurück nehmen. Wir müssen lernen, dass wir an einer Endstufe der technologischen „Otto Normal-Nutzer“-Möglichkeiten stehen, bei dem das „Wettrüsten“ der Konzerne vorerst ein Ende hat. Es geht nur mehr in kleinen Schritten weiter, nicht in riesigen Sprüngen wie bisher.
Trotzdem ist das, was Apple auf der WWDC gezeigt hat, ein wenig mager. Denn insbesondere am Kernthema Design zeigt iOS 7 nicht genug Eigenständigkeit. Und am Ende ist es das, was in Zeiten des technologischen Wettrüstens zählt.

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