Die christlich-liberale Angst vor der Homo-Ehe

Wahlen 2013.
Ach, was ein Spaß.

In den Wochen vor dem Gang zur Wahlurne gibt es jede Menge Kandidaten, die entdeckt, diskutiert und gewählt werden wollen.
Für Bundestagskandiaten, immerhin weit über 2.400, gibt es jedenfalls eine weite Flur an Themen, an denen man sich abarbeiten kann. Aber nur wenige sind natürlich auch gewinnbringend. Europa interessiert keinen, Umwelt ist im Lot. Wirtschaft, Steuern und Familie – die liebsten Themen.

Und weil alle Wahlprogramme so mittig sind, wie nie zuvor, muss man mit den „Grenzthemen“ punkten. Die, die weniger Menschen verprellen als potentiell gewinnen. Da kämpft man gern auch schon mal mit altverorteten Klischees. Bestes Metier: Ehe, Familie und Homosexuelle.

FDP-Bundestagskandidat Reinhard Günther zum Beispiel saß beim verfassen eines Textes zum Thema offenbar eines Abends am Schreibtisch und schrieb sich den ganzen Frust mit diesem homosexuellen Packen von der Seele.
Interessant, was ein liberaler Bundestagskandidat so über die „Homo-Ehe“ und Kinder in einer solchen schreibt: „Die Homo-Ehe ist ein wirksamer Versuch Ehe und Familie zu relativieren, zu erodieren und damit eine zentrale Grundlage unserer Gesellschaft zu zerstören.
Und das ist noch das Harmloseste.

Günther ist sich nicht zu schade seine ganze Abneigung in wahnwitzigen Thesen zum Ausdruck zu bringen: „Jedoch ist die Homo-Ehe regelmäßig nicht auf die Pflege und Erziehung von Kindern ausgelegt, sondern ist das Ergebnis erotischer Bedürfnisse.
Klar. Wer hat seinen Partner nicht mit dem Gedanken gewählt: „Mit dem will ich unbedingt ein Kind!“ – ob der Herr Günther mal die 9.839.000 Ehepaare fragt, die 2011 ohne Kinder waren, gegenüber den 8.172.000 mit Kindern (20 Prozent von denen haben übrigens erst nach der Geburt des ersten Kindes geheiratet!)?
So nebenbei kamen im Jahr 2010 deutschlandweit übrigens 33 Prozent der neugeborenen Babys in Beziehungen ohne Trauschein zur Welt. Schaut man über die Grenzen hinweg wurden 2009 EU-weit übrigens gar 38 Prozent der Kinder in eine Familie geboren, die nicht staatlich getraut ist.

Lieber Herr Günther, liebe FDP und CDU: Familie ist keine Ehe, und Ehe keine Familie. Aber wenn Familie und Ehe doch mal zusammentreffen, hat es vollkommen egal zu sein, ob die Ehe innerhalb der Familie hetero oder homo ist. Der seit Monaten schwellende Streit der Politiker ist peinlich und fern von tausenden Lebensrealitäten in diesem Land.
Homosexuelle Paare haben ein Recht auf Ehe, ebenso wie sie ein Recht auf Familie und damit auch auf Adoption haben … Wer argumentiert, dass es Kindern nur in gleichgeschlechtlichen Beziehungen gut gehe, der verschließt die Augen vor der Realität: u.a. entscheiden sich „Homo-Paare“ wesentlich bewusster für Kinder, und „Mama und Papa“ sind ebenso wenig Synonyme für „Liebe“ oder „Zuwendung“, nicht mehr als „Papa und Papa“ oder „Mama und Mama“.

Es ist für mich schon recht irritierend, welche Angst die christlich-liberale Fraktion da zuweilen vor der gleichgeschlechtlichen Ehe und Adoptionsrecht hat. Als ginge es hier um Menschen niederer Klasse.

Die Frage des Adoptionsrechts für gleichgeschlechtliche Paare ist übrigens eine von insgesamt 38, über die Parteien beim diesjährigen Wahl-O-Mat Antwort gegeben haben. Die CDU lehnt dieses Recht – formuliert in Frage 33 des Katalogs – unter dem Vorwand des Kindeswohles ab, die SPD will es einführen. Die FDP übrigens gibt als Antwort auf die Frage: „Gleiche Pflichten. Gleiche Rechte. Das ist unsere liberale Haltung.“ Nun.
Entscheiden muss jeder selber. Mich schockiert nicht nur die Vehements, sondern vor allem die Wortwahl – Reinhard Günther steht hier nur als ein Beispiel, wenn auch in meinen Augen für ein besonders ekliges …

Ich veröffentliche selten politische Texte. Aber das musste raus, aus mir. Am 22.09. wähle ich übrigens SPD, auch wenn der Wahl-O-Mat mir die Grünen empfiehlt … Es geht auch anders! Egal – wie auch immer eure Wahl ist: Geht wählen!

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