Von Analphabeten und Hundertjährigen

Ich lese gern. Und früher auch durchaus viel. Heute komme ich in der Regel nur noch dazu Bellestrik zu lesen, wenn ich im Urlaub bin. Zuviel an Nachrichten, Updates, Mails und anderen beruflichen Kram lese ich sonst tagsüber. Oft habe ich dann einfach keine Lust mehr Abends noch Buch zu lesen. Und wenn, dann ist es doch nur wieder eines, welches einem im Alltag (vermeintlich) weiter hilft, weil es sich mit dem beschäftigt, was man tagsüber beruflich eben selbst so tut. Vollkommen absurd, eigentlich.

Wenn ich dann aber im Urlaub bin, dann lese ich gern. In den 14 Tagen des – huch, schon wieder zwei Monate – zurückliegenden Urlaubs, habe ich drei Bücher gelesen. Obwohl wir die meiste Zeit unterwegs waren …

Wenn ich lese, vermeide ich eigentlich das, was in den Bestseller-Listen auftaucht. Harry Potter, die Tribute von Panem, …? Bis heute habe ich nicht eines dieser Bücher gelesen. Schande über mich!
Bei einem Buch, welches wochenlang auf Platz 1 der Bestsellerlisten stand, konnte ich allerdings nicht widerstehen: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster kletterte und verschwand“. Als ich es kaufte, hatte ich nicht gesehen, dass es auch bei den Bestsellern stand. Eigentlich entschied ich mich wegen seines Titels zum lese. Ich mag absurde (oder absurd lange) Titel. Und beim anlesen der ersten halben Seite überzeugte es mich.

Bücher müssen in meinen Augen einen guten ersten Satz haben. Mit ihm steht und fällt mein Interesse. (Einer der besten ersten Buchsätze, die ich je las, schrieb übrigens Vonda N. McIntyre in ihr Buch „Superluminal“).

Jedenfalls überraschte mich Jonas Jonasson mit seinem Roman. Denn die Reise des Protagonisten durch Jahrzehnte und Länder ist eine wunderbare Geschichte. Die Personen sind liebevoll und skurril, mit der Geschichte zusammen gar absurd. Und dann widerrum so, dass sie für sich glaubhaft sind. Daneben sind die Punkte, an denen die Geschichte aufgehangen ist durch ihren historischen Bezug realistisch. Ein urkomischer Schelmenroman!

Nun hat Jonasson einen neuen Wurf. Ein Buch, welches wieder mit einem langen Titel aufwartet. Sicherlich auch, weil der Verlag es so wollte … Nach einem so gelungenen und gefeierten Erstling ist es für einen Autor natürlich schwer. Aber die Geschichte von „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ klingt wieder nach einem wunderbaren Till Eulenspiegel-Märchen. Zwar könnte man Parallelen zur Odysee des 100jährigen Allan Karlsson sehen, aber was soll’s. Ich bin zuversichtlich, dass Johansson genug Ideen hatte, damit die Abenteuer seiner diesmal afrikanischen Protagonisten – die es ebenfalls wieder durch Schweden zieht – nicht zu einem zweiten Allan machen.
Am 15.11. erscheint das neue Buch – und ich bin ehrlich gespannt. Passiert mir bei Büchern selten. Auch, weil ich eigentlich ein Impulskäufer bin. Abgesehen von Büchern, die aus der Feder von Douglas Coupland kommen 😉

Übrigens auch ein Impulskauf dieses Jahr war „Er ist wieder da“ von Timur Vermes. Eine herrlich groteske Geschichte über Adolf H., der irgendwann plötzlich wieder im hier und jetzt erwacht und eine Comedyshow für seinen erneuten Aufstieg in rechtspolitische Kreise zu nutzen weiß. Großartig – unbedingt lesen 😉

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Ein Kommentar

  1. Das Gute an dem Erstling war, dass es schon lange auf dem Markt war, bevor es ein Bestseller wurde. Es hat sich diesen Paltz also sozusagen erarbeitet

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