Doo: Abschied vom fragwürdigen Abschied vom papierlosen Privatbüro

Rosarot?

Wir haben Doo gegründet, um mit einem großen Team ein bedeutendes Produkt am Markt zu etablieren. Dieser Markt ist in Wahrheit aber eine totale Nische, das haben wir falsch eingeschätzt.

Das Startup Doo wollte uns zum papierlosen Büro führen und stellt nach zwei Jahren fest: Huch, die Leute wollen das überhaupt nicht. So zumindest liest sich das Interview mit Doo-Gründer Frank Thelen zum Aus seiner Firma.
Auch, wie das kommuniziert wurde, ist fragwürdig: Laut Thelen hat man die Entscheidung bereits vor Wochen getroffen, aber erst am Wochenende (!) verkündet, dass man den Dienst im März ersatzlos niederknüppeln wird. Die Art ist unfein.

Wollen wir Nutzer das papierlose Büro?
Dessen Ende wird nun schon seit 20 Jahren herbei geredet und fand bisher nie statt. Warum?

Für meine Firma nutze ich Fastbill – eine wirklich rundum gute Lösung, mit der ich Angebote erstellen, Rechnungen schreiben, Zeiten erfassen und Ausgaben erfassen kann. Krux bei Letzterem: ich muss jede Rechnung die mir physisch vorliegt – und trotz digitalem Unternehmen sind das am Ende nicht wenige – per Handy fotografieren/scannen und über einen Prozess in Fastbill einstellen und verorten. Phew. Nervig. Und irgendwie am Ende nicht so flott wie eigentlich irgendwie gewünscht. Zudem: mit dem Prozess habe ich die Arbeit, statt meines Steuerberaters – dem kipp ich (sprichwörtlich) die Dinge einfach nur vor die Füße und er kümmert sich.

Die Vorstellung, das tägliche Zettelrauschen auch privat zu digitalisieren lässt mich fragend zurück. Wozu? Nur weil es geht …?
Ich sehe aktuell ehrlich gesagt für einen Privathaushalt keinen effektiven Nutzen. Am Ende haben wir doch alle überschaubare Ausgaben, die wir für steuerliche Zwecke tatsächlich auch speichern müssen – und ich sehe für mich persönlich beispielsweise nicht den Vorteil, meine Stromrechnung zu digitalisieren? Damit ich sie wieder finde? Für was? Ich habe noch nie eine alte Stromrechnung wieder benötigt – ihr?
Hinzu kommt das bei Deutschen doch sowieso schon sensible Thema Datenschutz. Einem Startup das eigene Leben in den Rachen werfen – nur, um am Ende (wie geschehen) sowieso in den Hintern getreten und rausgeschmissen zu werden? Mmmh.
So digital scheine ich am Ende dann doch nicht zu sein.

Wer jetzt trotzdem enttäuscht über das Aus von Doo ist: mit organize.me steht bereits ein Ersatz in den Startlöchern und kann genutzt werden. Der kommt über den Inkubator diesmal übrigens von TomorrowFocus.

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