Asyl? Gern, aber bitte nicht hier!

Nicht die Asylsuchenden sind das Problem, auch nicht die vermeintliche Bedrohung für Kinder, Frauen oder eine gesteigerte Kriminalitätsrate. Das Problem sind Menschen, die schutzsuchende Menschen mit anderer Herkunft als Bedrohung wahrnehmen und systematisch Asyl- oder Sozialleistungsmissbrauch unterstellen.

In Leipzig – ausgerechnet – wird über die temporäre Ansiedlung eines Erstaufnahmeheims diskutiert, dass in einem ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus in einem Wohngebiet entstehen soll. Schlimm!, finden Anwohner. Asyl gern doch, aber bitte nicht hier!
Juliane Nagel findet da die richtigen Worte im Rahmen eines Berichts zu einer Bürgerversammlung.

Die Argumente der Anwohner sind vielfältig, reichen von Sicherheitsbedenken bis hin zur Debatte darüber, ob ein ehemaliges Krankenhaus für die Unterbringung von Menschen denn geeignet sei (ja Moment, wenn nicht so ein Gebäude, welches dann?).
Mir ist ehrlich gesagt auch egal, mit welchen Argumenten da handiert wird. Noch lassen sich sogenannte Politiker aus der rechten Szene nicht blicken, aber ich frage mich doch wo die Grenze da gerade verläuft …

Wir waren alle mal Flüchtlinge – manche bereits 1945, viele 1989.
Probleme mit Flüchtlingen gab es schon damals – gelernt hat man daraus offenkundig nichts. Weder auf Seiten der Behörden und leider auch nicht beim Volk. Die Angst vor dem Fremden bleibt – alles Wilde, außer ich!

Bild: Ebs Els, flickr CC Lizenz

2 Kommentare

  1. Hallo Herr Gigold,

    Juliane Nagel findet leider sehr unobjektive Worte.
    Die Argumente der Anwohner sollten sie erst lesen, und danach kommentieren. Ein Krankenhaus ist perfekt geeignet – im Grunde jedoch Steuerverschwendung, da für eine hotelähnliche Nutzung völlig übertechnisiert. Es geht jedoch nicht um das Objekt, sondern um die Umgebung. Es gibt schlichtweg bessere Standorte – es geht nicht um die Frage ob Flüchtlingsaufnahme notwendig ist oder nicht – ist sie natürlich. Aber sie bringt für die direkten Anwohner Nachteile. Die Flüchtlinge sind kulturell, sprachlich und sozial anders (was neben Chancen, nur die akzeptieren Sie, auch Risiken birgt.) Dagegen hilft Integration, Engagement, ein gemeinsamer Begegnungsraum (Parks, Gaststätten, etc.). Negativ wirken Massenunterkünfte und Isolation. => Keine EAE mit 500+ Menschen, sondern 30-40 Personen umfassende Unterbringung in integrationswilligen Stadtvierteln (das sind meist nicht die billigen und auch nicht die mit Leerstand…). Genau das ist der Politik und Verwaltung zu kompliziert, zu teuer und zu langwierig. Also wird das leicht machbare gemacht – zu Ungunsten der Anwohner und der Flüchtlinge.

    1945 gab es Vertriebene, die innerhalb ihres Sprach- und Kulturraumes ihre Heimat wechseln mussten.
    1989 gab es wirtschaftliche Migrationsbewegungen (Arbeit, Wohlstand). Die Auswanderungen vor 1989 sind eher als „Flucht“ vor Eingeengtheit, Repressalien etc. zu sehen..
    1996 während des Jugoslawienkrieges – das kann man als Vergleich gelten lassen. Damals hat die Politik deutlich integrativer gehandelt. Die Menschen wurden spontan und schnell in unsere Sozial- und Bildungssysteme integriert.
    Die russischstämmigen „Spätaussiedler“ passen auch nur bedingt – hier liegt eine starke kulturelle Ähnlichkeit vor.

    Bitte seien sie differenziert (und damit ehrlich). Pauschalisieren bringt nichts.
    XX% der Ankommenden haben keinen Flüchtlingshintergrund (ich nenne das systematisch 🙂 ) . Diese Menschen sind Einwanderer. Ich begrüsse das, der deutsche Staat hat dafür jedoch keine Antwort. Er kann nicht entscheiden wer integrationswillig ist, wer arbeitswillig ist, wer hier eine Existenz aufbauen kann und will – und danach entscheiden. Er kann gar nicht entscheiden. Deshalb duldet er. Das führt zur Isolation statt Integration. Das führt zu Frustration – das sollte ihre Stoßrichtung sein. Die Ursachen bekämpfen (Politik) nicht die Auswirkungen (schlecht integrierte Ausländer und dadurch berechtigte Angst in der im Einzelfall betroffenen! lokalen Bevölkerung).

  2. Hallo & Danke für den ausführlichen Kommentar.

    Das Thema ist kein leichtes, nie. Aber mir stoßen immer diese Pauschal-Urteile auf, die hier ja auch angeführt werden.
    Diese Ängste, die noch so gut zerstreut werden können. Da kann sich der Polizeipräsident hin stellen und erklären, dass Ausländer keine signifikant höheren Kriminalitäts-Raten haben, oder das Arbeitsamt kann zeigen, dass Ausländer eher arbeiten als Deutsche – und doch bleibt es bei diesen Schubladen.

    Grundsätzlich unterstelle ich einmal: ein Aufnahmeheim bzw. die grundsätzliche Unterbringung von Flüchtlingen / Einwandern bringt immer „Nachteile“ für Anwohner. Dass Menschen aus anderen Kulturräumen auch „sozial anders“ sind, ist natürlich – passiert uns im Ausland auch; da muss man nicht einmal so weit weg fahren. Ich behaupte auch nicht, ein solches Heim berge keine Risiken – aber die Veranstaltung hat denke ich auch klar gemacht, dass diese Risiken nicht zu hoch gewichtet werden sollten, weil sie es kaum sind.

    Es wird immer davon gesprochen, dass es „bessere Standorte“ gäbe. Ich lese nur nicht, wo die sein sollen … Ob da nun im Krankenhaus Gelder verschwendet wurden oder nicht ist eine andere Geschichte, denn offenbar findet sich ja kein normaler Mieter, der das nutzen will.

    > Bitte seien sie differenziert (und damit ehrlich).
    Ich sehe nicht, dass ich unehrlich wäre; unabhängig davon darf hier jeder kern mein Wissen oder Nichtverstehen erweitern / aufklären; nur unterstellen lasse ich mir nichts 😉
    Danke!

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