Meine Kinder-Vorlesebücher des Jahres 2015

Was für eine Aufregung um ein pubertäres Poster und einen ebenso wunderbar klischeehaften, belanglosen Jugendroman. „Die inneren Werte von Tanjas BH“ haben in den letzten Tagen für ordentlich Furor im Internet gesorgt.
Ob das angebracht ist? Darüber will ich mir erst noch ein Urteil bilden und habe den Roman einmal bestellt – ich war auch mal 14 (was mittlerweile 20 Jahre her ist!) und kann mich noch recht gut erinnern, wie das war. Bei mir hieß Tanja übrigens Ramona …

Egal.
Bei all der Aufregung dachte ich – „Was sind eigentlich gute Kinderbücher?“
Schließlich mache ich seit 14 Jahren jeden Abend das gleich: Ich lese meinen Kindern eine Geschichte vor.

Wir lesen viel – und auch viel Quark

Ich habe drei Kinder – der Älteste ist bereits 14 Jahre. Und genau so lange lese ich nun bereits jeden Abend aus Kinderbüchern vor. Natürlich hört mein ältester Sohn da meistens nicht mehr zu – denn das Publikum hat sich verändert: Heute lese ich für meine Tochter (9) und den jüngsten Sohn (6). Es gehört zum nicht zu verpassenden Ritual des Zu-Bett-Gehens.

Dass dieses Vorlesen nicht nur ein abendliches Ritual ist, um noch einmal zu quatschen, zu lachen und zu kuscheln, zeigt mir auch das Leseverhalten meiner beiden Ältesten: seit #Kind1 und #Kind2 selbst lesen können, tun sie es mit Begeisterung. Bücher gehören Zuhause zum täglich Brot und werden von uns nicht als Geschenke sondern Konsumware gesehen – wer kein Buch mehr hat, sucht sich über Amazon, iTunes, TigerBooks oder Swodoo einfach ein neues aus und leiht oder kauft es.

Weil wir also so viel (vor)lesen, lesen wir natürlich auch viel Quark.
Geschichten, bei denen du als Erwachsener denkst: „Heilige Mutter, wer schreibt denn sowas für Kinder?“
Dass du solche Gedanken hast, liegt an zwei Dingen. Entweder ist das Buch schlecht geschrieben oder die Geschichte blöd. In einigen Fällen kommt beides zusammen, in manchen Fällen müssen wir Erwachsenen uns einfach zusammen reißen. Und in einigen wenigen Fällen ist beides hervorragend und sowohl du als Vorleser als auch die Kinder haben Spaß daran!

In den letzten Monaten hatte ich tatsächlich einige solcher Bücher in der Hand. Wie oben bereits geschrieben lesen wir diese mit zwei Kindern, die 6 und 9 Jahre alt sind.
(Die Links zu den Büchern findet ihr am Ende des Artikels)

Amanda Babbel
„… und die platzende Paula“ sowie „… die tückische Torte“. Zwei Bücher, die haarsträubend lustig sind und dabei doch auch sehr spannend. Weil sie wunderbar mit Erwartungen und kleinen überraschenden Details spielen.
Kjartan Poskitt hat hier eine kleine Welt geschaffen, die wir daheim – alle drei Kinder und wir beiden Erwachsenen – jeden Abend wirklich unheimlich gern betreten haben. Die Helden haben alle einen kleinen Knall, sind jedoch stets herzallerliebst. Wir haben unheimlich viel gelacht. „Wertvoll“ ist die Geschichte, weil sie Herz hat … Ich freue mich wahnsinnig auf das dritte Buch, dass im Lauf des Jahres erscheinen soll. Falls das eigene Kind Erstleser ist, kann es die Geschichte ab der 2. Klasse auch allein lesen.

Schluri Schlampowski
Ein kleines Zotteltier aus unbekannten Gefilden mit einer Vorliebe für Zwiebeln und dem Hang zum Chaosstiften. Brigitte Endres schreibt mit den Schluri-Büchern eine moderne Version von Pumuckl. Im Mittelpunkt ein sympathischer Taugenichts, den man trotz des ganzen Chaos schnell ins Herz schließt. Dass Endres im ersten Beruf Grundschullehrerin war, merkt man. Nicht, weil die Bücher pädagogisch sind, sondern weil sie weiß, was Kinder zum lachen bringt, was für sie Herz und Seele hat.
Schluris Ausruf „Zwiebel-Schniebel“ ist bei uns mittlerweile ein geflügeltes Wort. Drei Bücher gibt es von Schluri bereits, und ich hoffe wirklich, da kommen mehr …

Tilda Apfelkern
Andreas H. Schmachtl hat eine kleine Maus geschaffen, die – nicht ganz zufällig wahrscheinlich – den gleichen Namen trägt, wie ein Näh-Trend: Tilda.
Die Geschichten von Tilda Apfelkern, der kleinen hollunderblütenweißen Kirchturmmaus, und ihren Freunden sind süß, witzig, aufregend und manchmal auch ganz alltäglich. Als Vorleser muss man den Zuckerguss lieben, der über allem dem liegt, aber mit den unterschiedlichen Büchern begeleitet man die Tiere durch die Jahreszeiten, erlebt Weihnachten, oder bekommt einfach nur ein paar schöne Geschichten über Freundschaft geliefert. Tilda hat deswegen nicht nur das Herz der Tochter, sondern auch des jüngsten Sohns erobert, der wahrscheinlich aber den mürrischen Mause-Freund Rubert etwas mehr mochte als Tilda selbst …

Das Buch für „Immer Zwischendurch“ ist bei uns …
Erwin Mosers fantastische Gute-Nacht-Geschichten – quasi ein Best of von Erwin Moser mit wunderbaren kleinen Drei-Minuten-Geschichten und tollen Illustrationen. Wer Janosch mag, wir Erwin Moser ebenso mögen.

Zuletzt haben wir Füchse lügen nicht gelesen. Ein Buch um einige vermenschlichte Tiere, die auf einem Flughafen gestrandet sind. Es geht um Lügen und darum, dass wir das alle ein klein wenig tun – und um Freundschaft. Ein gutes Buch, wenn auch wahrscheinlich eher für die Gruppe ab 8 bis 10 Jahren …

Aktuell lesen wir „An der Arche um Acht“ – die Geschichte von Noahs Arche aus Sicht zweier Pinguine. Mit viel Witz geschrieben und man kann sich natürlich nebenher mit den Kindern über die Geschichte und Religion im Allgemeinen unterhalten. Was wir als nicht-gläubiger Haushalt übrigens auch abseits vom Buch immer wieder tun …

Empfehlungen der Kinder

Keine Vorlesebücher, sondern Bücher, die Kind1 und Kind2 in den vergangenen Wochen verschlungen haben:
Ella auf Klassenfahrt kommt wie auch Amanda Babbel aus der Feder von Kjartan Poskitt. Die Heldin ist in der zweiten Klasse und erlebt so allerhand. Laut der Tochter einfach ein schönes Buch …
Ebenso mochte die Tochter die Die kleine Dame-Bücher von Stefanie Taschinski. Nach dem ersten Buch mussten die anderen direkt noch nachgekauft werden. Sie erzählen die Geschichte eines Mädchens, dass im neu bezogenen Haus eine daumengroße Madame im Garten wohnend findet.
Aktuell hat Kind 2 mit den Dork Diaries angefangen und liest die weg. Das ist im Grunde genommen die weibliche Version von Gregs Tagebuch – es geht um Nikki und deren Tage an der Schule. In Teil 1 kommt Nikki an eine neue Schule, hat ein altes Handy, blamiert sich und findet trotzdem am Ende Freunde. Die typische Geschichte halt, aber nett aufgemacht …

Helden des Olymp #4 – Das Haus des Hades hat der ältere Sohn in wenigen Stunden verschlungen. Band 4 kam im Oktober raus und ist dicke 624 Seiten – was selbst einige Klassenkameraden des Sohnes nicht abschreckt. Die Olymp-Serie von Rick Riordan spielt übrigens im gleichen Universum wie Percy Jackson, dass ebenfalls von Riordan stammt und vom Sohn bereits in vollem Umfang weggelesen wurde.
Daneben liest das Kind so ziemlich alles, was ihm zwischen die Finger kommt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass selbst die vor ihm stehende Cornflakes-Schachtel Action pur ist … Und dann sind es gerade Romane aus den ihm bekannten Universen: Minecraft-, Legend of Zelda- und Co. Romane.

Kind3, der Jüngste im Bunde, liebt die Das magische Baumhaus-Serie. Die Abenteuer von Anne und ihrem Bruder Philip hat schon Kind1 aufgesaugt, als er mit Lesen began. Kind3 liebt sie ebenso. Die beiden Geschwister darin reisen mit Hilfe eines magischen Baumhauses quer durch die Welt und Geschichte. Dabei wird viel Wissen vermittelt, das Problem ist nur: Die Bücher richten sich eindeutig an Leseanfänger, weshalb die Sätze zum Vorlesen als Erwachsener mitunter nervig kurz gehalten sind. Zudem ist Philip – in den Augen der Eltern dieses Haushalts hier – wirklich recht begriffsstutzig, was allerdings durch die Abenteuerlust und kindliche Naivität seiner kleinen Schwester (die mitunter schlauer als ihr Bruder ist) ausgeglichen wird … Trotz allem glaube ich, sind die Bücher wunderbare Dinger, die man dem eigenen Kind ohne Bedenken als Erstleser-Bücher in die Hand drücken kann.

Die Links zu den Büchern

Im folgenden findet ihr die Links zu den Büchern auf amazon. Jeder Link ist ein Affiliate-Link, was bedeutet es geht eine kleine Provision an mich, wenn ihr darüber einkauft.

Amanda Babbel …
… und die platzende Paula (Band 1), … und die tückische Torte (Band 2) – beide Bücher sind sowohl gedruckt wie auch digital erhältlich

Schluri Schlampowski …
… und die Spielzeugbande (Band 1), … und die Stinktierfalle (Band 2), … und der Störenfried (Band 3) – alle Bücher gibt es sowohl als Print-Ausgabe, als auch digital

Tilda Apfelkern
Wunderbare Geschichten aus dem Heckenrosenweg (2009), Die Freunde vom Heckenrosenweg (2011), Es grünt und blüht ums Mäusehaus (2013) Frühling, Sommer, Herbst und Winter: Ein schönes Jahr im Heckenrosenweg (2014) – alle Bücher nur als Print erhältlich

Erwin Mosers fantastische Gute-Nacht-Geschichten – nur Print

Dork Diaries #1 – Nikkis (nicht ganz so) fabelhafte Welt – nur Print

Das magische Baumhaus #1 – Im Tal der Dinosaurier – nur Print

Füchse lügen nicht – als Print und für Kindle

An der Arche um Acht – nur Print

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