Von Chancen, Idealen und den Krautreportern (oder: weshalb ich weiter zahle)

Geben und Nehmen. Karma.
Ich glaube nicht an eine göttliche Instanz, aber ich glaube für mich daran, dass andere zu unterstützen sich auf mein Gemüt auswirkt – positiv. Deshalb unterstütze ich regelmäßig Crowdfunding-Ideen, auch wenn ich das Produkt am Ende nicht nutze …
Die Krautreporter gehörten vor einem Jahr zu den von mir unterstützen Projekten. Nicht, weil ich mir Neues versprach, sondern weil ich Mut belohnen wollte. Dass man eine neue Art des Journalismus‘ versprach, geschenkt. Schließlich komme ich so schon kaum mehr dazu, noch mehr zu lesen. Informative YouTube-Videos, wie die von Ausfahrt.TV oder Sträter Bender Streberg schaue ich mir schon immer mit 1,5- bis 2-facher Geschwindigkeit an 😉

Was also habe ich mir von den Krautreportern versprochen?
Nun. Eigentlich nicht viel.
Und so habe ich in vergangenen Monaten auf der Plattform auch nur eine Handvoll Reportagen gelesen, die mich persönlich interessiert haben. Diskutiert habe ich nie (tue ich auf externen Plattformen, die nicht Facebook und YouTube sind aber grundsätzlich nie – die Dinger zu verfolgen ist dann einfach zu umständlich), auf einem der lokalen Treffen der Krautreporter war ich auch nicht.

Ein Eindruck hat sich in den letzten Monaten aber bei mir gefestigt:
Die Krautreporter sind eine Plattform, kein Medium.
Sie sind eine Loseblatt-Sammlung von journalistischen Themen, davon gefühlt 1/3 auch noch nur Zweitverwertungen.
Oder, wie es Stefan Niggemeier ausdrückt: Uns trieb die Lust an, ein neues Geschäftsmodell auszuprobieren, aber nicht unbedingt eine gemeinsame redaktionelle Idee. Wir taten uns schwer damit, zu definieren, worüber wir berichten wollen und wie.
Der nicht nur von mir geschätzte Niggemeier zieht daraus die Konsequenz und verlässt die Krautreporter.

Während wir als Nutzer vor der Frage stehen: Auch für die nächsten 12 Monate zahlen?
Johannes hat sich dagegen entschieden. Und er ist damit nicht allein, wie man an diversen Ecken des Webs liest. Die Kritik ist dabei absolut berechtigt. Die Krautreporter haben getönt und nicht geliefert, wenn man es objektiv beobachtet. In den vergangenen Monaten haben die Macher weder neue Wege gefunden Geschichten zu erzählen, noch gab es eine Geschichte, die über die Plattform hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Genau das habe ich aber eigentlich erwartet.

ABER.
Trotzdem werde ich noch einmal 60 Euro zahlen, für die nächsten 12 Monate.

Auch, wenn ich nur wenige Artikel der Krautreporter gelesen habe – und in den kommenden Monaten wohl nicht mehr lesen werde -, so gibt es für mich doch Gründe, der Plattform noch eine zweite Chance zu geben.
Zum Einen habe ich den täglichen Newsletter zu schätzen gelernt. Der liefert mir täglich einen guten Einblick in Themen und zeigt Longreads im Web. Zum anderen bin ich Idealist und will sehen, ob und wie die Macher einen Weg finden, nehmen wir die ersten 12 Monate also einfach als symbolische 100 Tage.
Jetzt will ich aber auch was sehen! Denn weder die Themen noch die Schlagzahl waren in den letzten Monaten gut genug – so manches (für mich kostenloses) Blog hat da mehr gerissen als ihr.

Also, Kritiken lesen, in die Hände spucken und los – ihr Krautreporter!

[Ergänzung 21.06.2015]
Hier kann man seine Mitgliedschaft erneuern
– die Krautreporter wollen eine Genossenschaft werden
Hier erklärt Sebastian Esser, was gut war, gut ist und anders werden soll bei den Krautreportern

Ich bleibe Krautreporter


Bild: aus Triumph Of A Heart, Björk. Womit wir auch geklärt hätten, woher die „I Should Buy A Boat“-Katze kommt …

Ein Kommentar

  1. Sorry, wenn ich jetzt mal lachen muss:
    „… Gutes zu tun …“ – Ein paar Euro Fuffzig für irgendein Projekt zu spenden bezeichnest Du also als „Gutes zu tun“?
    Ich dachte, sowas nennt sich einfach „kaufen“.
    Aber was weiß ich denn schon, bin ja schon Jahrgang ’71 und kenne mich mit Hipster-Semantik nicht aus.

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