Ruhe.

Abend saß er immer heimlich auf der Treppe zwischen der ersten und zweiten Etage und lauschte. Unten befanden sich Küche und Wohnzimmer, im ersten Stock die Kinderzimmer und das Bad und ganz oben, da schliefen Mama und Papa. Seine beiden Geschwister schliefen bereits seit einer Weile, zumindest hörte er sie nicht mehr. Und er saß hier im halbdunkel. Und lauschte. Lauschte den Geräuschen des Hauses. Lauschte, wie das Haus sich anhörte. Wie Mama und Papa unten auf dem Sofa leise redeten. Wie der Fernseher wisperte. Er verstand weder die Worte, die Mama und Papa sprachen, noch welche Geschichte im Fernseher erzählt wurde. Das war am Ende auch nicht wichtig. Er mochte die Geräusche. Mochte, wie das alles klang. Das war für ihn Zuhause. Er war erst vier, aber er wusste irgendwie tief in sich drin: Das hier fühlte sich gut an, das hier fühlte sich richtig an. Er atmete leise, versuchte die Düfte aufzusaugen. Stellte sich Mama und Papa vor. Für ihn war das hier Ruhe. Wie im Wald draussen – Ruhe, die aus Ruhe und Vogelgezwitscher bestand. Mama und Papa zwitscherten. Wie die Vögel. Und er hörte ihnen zu.
Er genoss es. Saß zehn Minuten einfach da. Fünfzehn Minuten. Die Ruhe die keine war machte ihn müde. Er stand leise wieder auf. Schlich zurück ins Zimmer, kuschelte sich in sein Bett. Kuschelte sich an seinen weichen Plüschhund. Holte tief Luft und schlief lächelnd ein.

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