Star Trek Nemesis Review

Die Familie ist alt geworden, seit dem letzten Treffen.
Das letzte Familientreffen liegt nun allerdings auch schon einige Jahre zurück, und so ist der Prozess des alterns an sich ja nichts schlimmes. Das schlimme daran allerdings ist, dass es einem selbst seinen persönlichen Nemesis präsentiert – das Alter. Es liegt jedoch in der Natur der Dinge. Leider nur ist die Familie nicht nur älter, man sieht es ihr auch an. Vor allem dem Familienoberhaupt (er ist 61 Jahre).

Es war ein Abschied.
Ein leises Goodbye. Ein leises, wie sagte es William: Serving with you has been an honor..
Nur haben wir nicht gedient. Wir haben das Beisamensein genoßen.
Und das haben wir auch bei Nemesis, nur …
Ja, nur.
Das Abschiednehmen nicht leicht fällt hat niemand behauptet. Leider nur sind wir nicht mit den gleichen Gefühlen nach Hause gegangen, die wir noch hatten, als sich James T.Kirk von uns verabschiedet hatte.

Star Trek Nemesis ist ein guter Film. Jedoch kein schöner Abschied. Und kein leichter.
Ich habe im Kino das Drehbuch vergessen. Ich habe es geschafft nur den Film zu sehen. Und am Ende hatte ich ein seltsames Gefühl. Es lag weder an den Abschlußbildern (dem lächelnden, durch die Flure laufendem Picard, bei dessen Anblick man wusste, seine Reise geht weiter …) und es lag nicht an der Geschichte.
Es war eine gewisse Leere, die ich so bei Captain Kirks letzter Reise (ich spreche hier immer von Star Trek VI) nicht hatte. Woran es liegt? Nun ich weiß es nicht.
John Logan hat mit Nemesis ein hervoragendes Script abgeliefert, das meines Erachtens – in der Grundform – sogar besser ist als Star Trek II (Zorn des Kahn). Von Stuart Baird kann man das leider nicht behaupten.
Was die Regie anbelangt ist der Film leider sehr unausgewogen, so, als hätten ihn zwei Regisseure gedreht. Es gibt hervorragende Szenen und es gibt einfach schlechte Szenen. Und insgesamt ist die Regie zu Weilen zu untypisch für Star Trek und erinnert an einen billigen Thriller.
Auch Shinzon-Darsteller Tom Hardy wirkt, meist in Szenen mit dem müde wirkendem Patrick Steward, doch etwas blass (was nicht am Make-Up lag). Zu Shinzon konnte ich nun so überhaupt kein Verhältnis aufbauen. Er ist ein Bösewicht, dem man versucht Profil zu geben, es im Film aber nicht so recht schafft. Die Rückblende-Szene wirkt dabei weniger hilfreich als vielmehr nur schlecht (das war auch die erste Rückblende in einem Star Trek-Film, oder?)

Am bedauerlichsten sind die Szenen, die geschnitten wurden, obwohl sie teilweise wichtig für den Film und teilweise wichtig für den Fan gewesen wären.
– Picards Unterhaltung mit Data zu Beginn des Films über Familie
– Picards Unterhaltung während der Kampfvorbereitungen auf der Enterprise mit einem jungen Fähnrich über Pflicht
– Die zweite emphatische Attacke auf Troi (die Szene war in Ausschnitten auch schon in den verschiedenen Trailern, hat es aber nicht in den Film geschafft)
– Worf wird während des Kampfes auf der Enterprise von einem Remaner angeschossen und von einem romulanischen Arzt wieder ins Leben geholt (Worf Eltern kamen bei einem Angriff der Romulaner auf die klingonische Station Kithomer ums Leben)
– Worf und Geordi räumen Datas Quartier aus
Auch hätte ich mir gewünscht, dass auf der kleinen Gedenkfeier für Data Rikers letzer Satz „Ich kann mich nicht mehr erinnern“ mehr Zeit bekommen hätte, um zu wirken. Ebenso hätte ich mir die (wohl gestrichenen oder geschnittenen) zusätzlichen Sätze beim Abschied von Riker und Picard gewünscht.

Das hört sich jetzt insgesamt doch recht vernichtend an. So ist es aber nicht.
Ich bin über Nemesis nicht enttäuscht. Es ist ein guter Film. Aber ich hoffe auf die ungekürzte Fassung auf DVD mit den entfallenen Szenen im Film (und nicht nur als Bonus „hinten dran“, wie es sich der Regisseur gewünscht hat). Für die Fans sind einige Szenen einfach zu kurz.
Und eine geschnitte Szene gegen Ende des Film hätte Film und Publikum gut getan – nämlich nochmal ein Lachen: In der Werft, nach dem Abschied von Riker bekommt Picard einen neuen Captains Chair. Mit Sicherheitsgurten (bzw. -bügeln)!
Wer mit einem ähnlichen Gefühl aus dem Kino kommt, dem empfehle ich das Buch von J. M. Dillard. Es hällt sich sehr eng an das Drehbuch und beinhaltet dementsprechend auch alle entfallenen Szenen.

Abschied zu nehmen fällt immer schwer. Und es hinterlässt ein seltsames Gefühl.

Never saw the sun shining so bright,
Never saw things going so right.
Noticing the days hurrying by,
When you're in love, my how they fly.
Blue days, all of them gone,
Nothing but blue skies from now on.

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