Warum die neue STAR TREK-Serie schon vor dem Start ein Flop ist.

Ich bin seit 1990 Star Trek Fan. Damals reiste ich jeden Nachmittag mit Captain Kirk in die Unendlichen Weiten, erkundete mit Captain Picard das 24. Jahrhundert und erlebte wenige Jahre danach das Trauma des Krieges mit Captain Sisko. Ich strandete mit Captain Janeway weit weg von Zuhause. Und wagte die erste Schritte ins Weltall mit Captain Archer.
Es gibt keine Star Trek Folge, keinen Film, den ich noch nicht mindestens zweimal gesehen habe.
Und ich mag es. Alles. Ich mag Star Trek Voyager, Star Trek V und den Reboot von 2009 – trotz der Konsequenzen, die sich in „meinem“ Universum daraus ergeben.

Seit einem Jahren nun aber warte ich mit Millionen Trekkies.
Warte, auf eine seit Langem gerüchtehalber kommende, neue Serie.
Denn während STAR WARS ins Kino gehört, weil epische Märchen mit hohem Action-Anteil nun einmal dort am Besten erzählt werden, so gehört STAR TREK ins Fernsehen. Weil Geschichten von Moral und Forschergeist dorthin gehören, weil Star Trek schon immer das war, was Serien heute sind. Heute, im Goldenen Zeitalter der Serie, in denen The Walking Dead, The Wire, Mad Men oder Game of Thrones zeigen, dass mit viel Aufwand und hoher Erzählkunst produzierte Werke in Episodenform ihr Publikum finden.
Deep Space Nine hat vor 20 Jahren drei Seasons lang vom Krieg erzählt, von all den damit verbundenen Qualen, moralischen Dilemmas und dem resultierendem bitteren Sieg. Star Trek war immer dann gut, wenn es sich Zeit genommen und die ganz großen Fragen behandelt hat.

Blickt man einmal auf die Serienlandschaft der letzten 10 Jahre, stellt sich die Frage, weshalb Star Trek erst jetzt wieder auf den kleinen Bildschirm zurück kommt. Denn nie hätte es besser in eine Zeit gepasst.
Als Star Trek-Fan habe ich mit viel Wehmut Ronald D. Moores GALACTICA geschaut und gedacht: Das hätte mein STAR TREK sein müssen. Und so unrealistisch war das nicht, denn Ron D. Moore ist ein Star Trek-Veteran; jede von ihm erdachte Folge goldgepresstes Latinum wert.

Aber wir Trekkies mussten warten. Wurden abgespeist mit einigen Filmen, die weniger für uns als mehr für „Menschen, die mal was von Star Trek gehört hatten“ gemacht worden waren. Auch, wenn ich zu den offenbar wenigen Trekkies gehöre, die den beiden letzten Filmen STAR TREK und STAR TREK INTO DARKNESS durchaus etwas abgewinnen konnten.

Nun aber – endlich! – kündigt CBS eine neue STAR TREK-Serie an.
Was könnte es Schöneres geben?

Vieles. Denn das Problem fängt mit der Ankündigung an. Denn CBS macht direkt vom Start weg einen furchtbaren Fehler. Und der könnte aus der neuen Star Trek-Serie 2017 ein wirklich sehr kurzes Abenteuer machen …

Das Problem ist die Erwartung, die CBS an die im Januar 2017 startende Star Trek-Serie stellt. Sie nämlich soll der Heilsbringer für einen Dienst sein, von dem bisher noch kaum Jemand gehört hat: Den hauseigenen Video-On-Demand-Service CBS All Access.
CBS will die neue Serie nicht im Fernsehen zeigen, sondern ausschließlich online. Dabei legt sich der Sender mit den großen Spielern wie Amazon Prime, Netflix oder Hulu an.

Der CBS Chef Leslie Moonvers sagt im Interview zur neuen Serie:
„Es wird derzeit viel über unsere Pläne mit Star Trek diskutiert. All Access spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Wir möchten bei All Access auch Eigenproduktionen platzieren und diese Plattform damit weiter ausbauen. […] Die Loyalität der Trek-Fans wird für den nötigen Schub sorgen. […] Es wird großartig und auch viele neue Abonnenten zu uns bringen. Wir sind sehr gespannt. Star Trek 2017 ist ein erstklassiges Bestreben und Star-Trek-Fans weltweit stolz machen.“

Im gleichen Interview geht Moonvers zumindest davon aus, dass die Hälfte der Kosten durch die internationalen Märkte getragen werden kann. Das bedeutet aber noch immer: Star Trek 2017 wird keine „Paradenummer“ für CBS, die man als Aushängeschild nutzen mag. Vielmehr soll es das Zugpferd für einen Dienst innerhalb der USA werden.

Ob Star Trek dafür das richtige Franchise ist?
Für einen Sender, der in den letzten Jahren mit CSI, NCIS, The Mentalist oder Elementary durchaus starke Serien erschaffen hat. Das ist gleichzeitig sicherlich eine Hoffnung für die Fans. Aber an den hohen Erwartungen ist bereits „Star Trek Enterprise“ einst gescheitert, welches Zugpferd für den Ausbau des Senders UPN sein sollte … bis man es 2005 deprimiert einstellte.

Der zweite Fehler könnte die Verpflichtung von Alex Kurtzman sein. Dieser hatte die letzten beiden Star Trek-Filme als Autor und Executive Producer mit betreut – und sich dadurch nicht unbedingt viele Freunde unter den traditionellen Star Trek-Fans gemacht.
Drehbücher verfasste er zudem u.a. für Zorro (2005), Transformers – Die Rache oder The Amazing Spider-Man 2. Alles keine zu anspruchsvollen Filme. Hingegen war er bei Now You See Me, Cowboy & Aliens sowie den Serien Alias, Fringe und Hawaii Five-0 auch als Produzent am Werk – nun so schlecht nicht. Auf der anderen Seite will man nun sicherlich nicht unbedingt ein Agenten-Action-Mystery-Star Trek … 😉

Am Ende sollten wir vielleicht einfach ruhig bleiben und etwas Earl Grey trinken. Oder kalten Raktajino mit Sahne.
Vor 2017 wird sich keiner einen Eindruck machen können … das sind noch 14 Monate. Knapp 420 Tage. 419. 418. Ach, das wird schon!

Der Welraum. Unendliche Weiten … Dies werden die Abenteuer einer neuen Crew, eines neuen Schiffes. Erzählt für neue Fans. Eine neue Serie, die hoffentlich dahin geht, wo nie zuvor eine Star Trek Serie war.

US-Fans werden Star Trek 2017 für knapp 10 Dollar pro Monat bei CBS All Access sehen können. Laut Moonvers Ankündigung bleibe man mit Netflix und Hulu „freundschaftlich verbunden“ – zumindest im Ausland kann man also damit rechnen, die Serie auf Netflix zu sehen oder per iTunes beziehen zu können. In Deutschland hat die ProSiebenSat1 AG einen Rahmenvertrag mit CBS und dadurch Zugriff auf die Serie, um sie im Free-TV ausstrahlen zu können. Fraglich ist, wie weit diese Vereinbarung geht und ob sie die Online On-Demand-Rechte mit einschließt.

😉

2 Kommentare

    1. Hallo Georg.
      Danke für den Kommentar. Ich bin wirklich auch sehr gespannt und freue mich wahnsinnig auf neue Abenteuer und Geschichten. Genau deshalb hoffe ich, dass CBS in Star Trek mehr sieht als „nur“ ein Zugpferd, denn ich bin mir unsicher, ob sich Star Trek in der Form, in der wir Trekkies es eben lieben, wirklich eignet diese Last zu tragen.
      Aber wie geschrieben: Abwarten und Earl Grey trinken … und hoffen 😉
      /Thomas

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