Wie meine Kinder mich zum Softie machten.

Es gibt viele Dinge die sich durch Kinder zum Teil dramatisch ändern. Freiheit zum Beispiel. Oder Ansichten. Tagesabläufe, Ferienziele und langfristige Planungen.
Die alltäglichste Änderung jedoch ist eine, die ich mir vor unserem ersten Kind nie hätte eingestehen oder vorstellen können. Es ist eine emotionale.
Damit meine ich nicht die emotionale Änderung, dass man von jetzt an Kinder knuffig, süß und großartig findet. Tue ich nicht, auch wenn ich auf fremde Kinder schon immer etwas magisch wirke und diese mich meist sofort in ihr Herz schließen, mich anlächeln, mir Kekse anbieten oder mit mir spielen wollen (was mitunter zu sehr schönen Gesichtsausdrücken und Reaktionen der zumeist jungen Eltern führt). Nein, ich meine das eigene emotionale Empfinden, dass sich einstellt, sobald irgend ein Film mit Kindern zu tun hat.
Krimiserien, in denen Kinder Waisen werden? Hat mich früher wenig interessiert, heute denke ich meist: Die armen Kleinen.
Oder Filme wie Benjamin Button. Ich gehe jede Wette ein: Die letzten fünf Minuten des Films hätten mich früher kalt gelassen. Heute geht mir das Herz auf, wenn ich den fünf Jahre alten Benjamin Button sehe, wie er auf dem Dach sitzt. Werde ich sentimental, wenn der zweijährige Benjamin an der Hand der alten Daisy geht und ihr nach oben hin einen Kuss gibt. Oder wenn der winzige Benjamin Daisy kurz vor seinem Tod anschaut. In diesen Momenten will ich nach oben rennen, den Jüngsten (gerade 2 1/2) aus dem Bett zerren und mit ihm kuscheln.
Total irre. Dreckshormone.
Nicht falsch verstehen .. ich finde nicht jedes Filmkind gut. Matilda beispielsweise geht mir schon immer gehörig auf den Keks. Kevin ebenso. Und diese ganze Gang aus der Unendlichen Geschichte oder ET erst! Bah, nicht auszuhalten. Aber irgendwas zuckt in mir, wenn die Tochter Barbie-Filme schaut und am Ende lang getrennte Tochter und Mutter wieder zusammenfinden und dies in einer melodisch unheimlich schlecht gesampelten Balade besingen. Und nein, da zuckt nicht (nur) mein guter Geschmack, sondern ganz tief hinter dem linken Auge etwas sentimentales. Und man sitzt da, denkt: „Was’n Scheiss“ und hat gleichzeitig irgendwie dieses Papagefühl in einem durchkommen. Welch armes Kind, und ey, Happy End mit Mama und Töchterlein.
Ja, ich bin ein verweichlichter Softie. Einer, der mit seinen Söhnen zwar über den Spielplatz fegt und sich gern zusammen mit ihnen dreckig macht. Einer, der bei Heulanfällen der Tochter die Augen verdreht statt emotional zu werden. Aber eben auch einer, der gewisse Gefühle blöderweise nicht mehr aus seinem emotionalen Gehirn bekommt. Insbesondere, wenn es um Kinder im Alter von eins bis fünf geht. In dem Alter nämlich rocken Kinder ungemein. Und diese Erkenntnis, gemeinsam mit der damit verbundenen Emotionalität und den Erinnerungen an Spaziergänge, wunderbare Sätze und bestimmte Gesten unserer Kinder werde ich wahrscheinlich nie im Leben wieder loswerden. Hoffe ich zumindest, auch, wenn mir so mancher Film dadurch das Leben als Mann etwas schwerer macht 😉

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