Die verduzte Gesellschaft

In der Welt beschwert sich Sebastian Hammelehle über den ‚Duz-Wahn‘ in Deutschland:

Jeder duzt heute jeden – und hofft, damit ewig jung zu bleiben. Wir sollten endlich erwachsen werden, findet Sebastian Hammelehle. Und öfter Sie zueinander sagen

Nö. Find ich nicht. Ok, ich bin jung und in der Medienbranche. Das sind gleich zwei k.o.-Kriterien für einen Siez-Fan … Ganz schlimm finde ich das ‚Zeit-Du‘: Dieses „Jochen, kommen Sie mal bitte?“. Bäh! Entweder, oder. Nicht Beides. Schlimm das. Ich wäre ja für eine neue Form. Etwas zwischen Du und Sie. Dusie. „Jochen, komm dusie mal bitte?“. Macht sich nur äußerst schlecht im Sächsischen Raum, wo man das „Dusie“ schnell als Beleidigung auffassen könnte.

Deutschland wird zum „Siez-freien Raum“? Denke ich nicht. Und wenn IKEA mich duzen will ist das auch ok. Schliesslich gehören die tatsächlich zur Familie … Nur wenn mein Finanzbeamter mich plötzlich Duzen würde, wäre mir unwohl. Obwohl der ja dann doch eher zum Duzen privillegiert wäre, ich nehme mal an er kenne mich besser als Ingvar Kamprad und seine Werbeabteilung. Wobei man sich in Zeiten von Payback und Co. (darüber schreibe ich mal eine Haß-Triade, wenn ich Zeit habe) auch darüber nicht mehr ganz sicher sein kann …

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8 Kommentare

  1. Im Kollegenkreis sehe ich das Du auch noch ein. Aber „geschäftlich“ bleibe ich jetzt stur beim Sie.
    Hier hatte ich das Thema in meinem Blog auch mal:
    http://www.krambox.de/?itemid=197

    Kurzzusammenfassung:
    Wenn man mit Lieferant/Zulieferer/Handelspartner sich duzt, dann entsteht sowas kumpelhaftes. Und wenn die „Beziehung“ in die Brüche geht, dann fällt es mir schwer mich mit dem zu streiten.
    Klingt komisch, ist aber so. 😉
    —–

  2. Wir hatten doch schonmal was anderes, das gute alte „ER“.

    Ich war vielleciht verdutzt als meine Fahrschullehrerin mich damals so angesprochen hat, obwohl sie nebenmir sass, da hab ich mir gleich den nächsten Baum ausgesucht, aber ob meiner Feigheit gehts ihr noch gut.

  3. Bei Vorgesetzten und bzw. Polizisten ist das natürlich ein entgegengebrachter Respekt, wenn man diese Siezt. Das „Problem“ das ich sehe ist eher das, dass man hier zu sehr auf das Sie besteht; auch da wo es für eine Beziehung eher wichtig wäre auf das Sie zu verzichten – bspw. in der Schule. Im Kindergarten Duzen sich auch alle. Kommt das Kind in die Schule muss es plötzlich alle Siezen und man schafft damit eine Barriere wo eigentlich ein Vertrauensverhältnis angebracht wäre. Ebenso ist es bei längeren Kundenbeziehungen; da sind wie hierzulande wesentlich „steifer“ als anderswo. Das „Sie“ ist übrigens auch nicht typisch deutsch. Es stammt ja eher aus der Zeit des gehobenen Adels und des Französischen.

    Der Vorschalage mit dem Er/Sie (weiblich) ist aber gut. So wie in alten Ritterstagen: „Jochen, er möge bitte herbeieilen“ 😉

  4. Also im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten kenne ich beide Umgangsformen (auch die einhergehenden Vor- u. Nachteile), wobei es sicherlich auf die Branche, das Alter und den Umgangston im jeweiligen Unternehmen ankommt. Ab einer gewissen Hierarchiestufe gilt ja lt. deutschem Sprachgebrauch sowie so die ‚Sie-Ansprache‘ bezüglich Distanz und Respekt, etc.
    Auf das ‚Siezen‘ möchte ich im Umgang mit Kunden nicht verzichten, Ausnahme sind manche Kunden (je nach Alter und Umgang), mit denen ich auch im privaten Umfeld in Kontakt komme (z.B. Fitnessstudio, o.ä.), aber nicht generell.
    In der Geschäftsstelle ‚duzen‘ wir uns alle, auch mit ein paar Vorgesetzten, die für uns zuständig sind.

    Ich denke, der Hang, die Anrede ‚Du‘ und ‚Sie‘ gerne zu vereinheitlichen, kommt alleine daher, dass bis zum heutigen Tage die Weltsprache ‚englisch‘ allgegenwärtig ist und viele Begriffe eingedeutscht werden, das Englische aber nur das ‚You‘ kennt, das dem ‚Du‘ in der Aussprache ja sehr ähnlich ist.
    Interessant wäre zu wissen, wie sich die deutsche Sprache diesbezüglich in bspweise hundert Jahren entwickelt hat 😉

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