Erlösung

Nach dem Erlösungstreffer in der 90sten Minute brechen alle Lärmdämme in der Stadt. Hupende Autokaravanen quälen sich um 23:30 durch Gohlis Süd. Und ich bin schon gespannt was die Steigerung davon ist, wenn wir Weltmeister sind.
Wobei Leipzig wegen des Spieles Spanien vs. Ukraine schon den ganzen Tag im Ausnahmezustand ist 😉

Trotz Vermarktungsekel der FIFA, jammerndem ‚Bis 24 Uhr offen haben lohnt nicht‘-Einzelhandel oder Dummköpfen (*) in Dortmund ist es schön zu sehen, das die WM auch etwas positives hat: Das Nationalgefühl wächst! Mit Stolz werden überall wo es geht Deutschlandflaggen befestigt. Etwas, das vor einem Jahr noch Irritationen ausgelöst hätte.
Ich wünsche mir, dass dieser Stolz, dieses Nationalverständnis bitte auch nach der WM bleibt. Das tut unheimlich gut! Oder nicht?

* Zu den Ausschreitungen in Dortmund gab es auch einen Bericht in den ORF-Nachrichten heute abend. Nach dem Ende des Einspielers gleitet dann der schöne Satz aus dem Mund des Moderators: „Warum sind Hooligans eigentlich immer so häßlich?
Sehr schön! Österreich, 12 Punkte!

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2 Kommentare

  1. Es löst noch stets Irritationen aus und es fällt mir ausgesprochen schwer, lärmende Gestalten mit Deutschland-Fahne positiv zu sehen. „Nationalstolz“ ist sowas von 20. Jahrhundert.

    Was nicht bedeutet, dass man nicht bei der WM „für Deutschland“ sein kann. Aber der deutschen Nationalelf die Daumen zu drücken und sogenannter „Nationalstolz“ haben nichts miteinander zu tun. Ich drücke auch „meinem Verein“ Borussia MG die Daumen, aber deshalb habe ich keinen Mönchengladbacher oder rheinischen Nationalstolz, dieser Zusammenhang zwischen Deutschlandfahnen und „Nationalbewusstsein ist in“ ist konstruiert.

    Natürlich wird die Wahrnehmung dieses Zusammenhangs öffentlich forciert, im (durchsichtigen) Interesse eine „Wir sind alle deutsch und großartig – Blut -Schweiß -Tränen muss sein – denn wir sind ja alle ein großartiges deutsches Volk – auch wenn die Dividende um 30% steigt und Dein Loh um 10% sinkt“-Bereitschaft zu schaffen. Aber das ist, wie gesagt, konstruiert, „wir“ sitzen eben nicht alle in einem Boot, auch wenn „wir“ die Fähnchen für das selbe Fußball-Team schwingen.

    Aber man braucht sich darüber keine übermäßigen Gedanken machen, schon 1990 wurde versucht, die WM für „wir sind toitsche Volksgemeinschaft, bringe Opfer für die Wirtschaft und Dein Land, Du Hund“-Denke zu instrumentalisieren. Das wird auch dieses Mal mißlingen.
    —–

  2. Schopenhauer hat einen schöne Passage zum Stolz (in Relation zu Rum udn Ehre und im Konteext zu dem ‚was einer ist‘ im Ggs. zu ‚was einer hat‘ (alles IIRC)) in seinen ‚Aphorismen zur Lebensweisheit‘:

    Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.
    [Arthur Schopenhauer]

    Man kann problemlos ’seine Mannschaft‘ unterstützen, und auch mit den entsprechenden Fähnchen winken. Aber da ich keinerlei Anteil an der Leistung der WM-11 habe, wüsste ich nicht, wie ich es anstellen sollte, auf sie ’stolz‘ zu sein. Man könnte da weer drüber nachdenken, sollte man auch. Aber ggf nicht hier.

    Viellecht eher hier: http://liebezurweisheit.twoday.net/stories/2203958/

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