James Bond. Skyfall.

Was ist James Bond?
Eine Filmikone. 50 Jahre Kulturgeschichte. Eine Art Weltkulturerbe?
Zumindest Barbara Broccoli sieht in dem Geheimagenten eben das – und eben genau dies will die Produzentin (neben all dem Geld, dass sich mittlerweile dank Bond scheffeln lässt) wahren.
Mit dem neusten Film, SKYFALL, ist das gelungen.
Kein anderer Bond dürfte mehr Tiefgang, mehr Anspielungen auf seine Vorgänger, mehr Momente des Rückblicks haben. Bond 2012 ist eine actiongeladene Geschichte über den kalten Krieg, Terrorismus, 50 Jahre Bond. Und – ganz am Schluss gar – ist es ein Reboot vom Reboot. Darauf aber genauer einzugehen würde zu viel verraten.

Ich kann, nein, ich will, nicht beurteilen ob SKYFALL „der beste Bond aller Zeiten“ ist, was die Frage zu jeder Inkarnation eines Franchise ist. Aber er war für mich der wohl intensivste. Bereits die beiden Vorgänger mit Craig beleuchteten Bond, seine persönliche Weltanschauung sowie die eigentliche Antiquiertheit und das doch Benötigt-werden bereits gut, „SKYFALL“ (dessen Titel-Auflösung ich übrigens brillant finde) setzt da jedoch noch einmal einen oben drauf.

Daniel Craig erweist sich als perfekte Besetzung für diesen neuen Bond des 21. Jahrhunderts. Er ist hart, kalt und doch eben ein Mensch der verletzt werden kann – physisch wie psychisch. Ich mag das. Und Javier Bardem als Bösewicht. Er liefert hier eine großartige Vorstellung ab. Er spielt das im Stich gelassene Kind, das nicht des Bösen willen böse ist, sondern nur aus Enttäuschung. Craig und Bardem liefern sich ein Wettrennen um die Liebe ihrer Schöpferin M – am Ende gewinnt, so wie das bei Königskindern immer ist, keiner. Bond 2012 ist, runtergebrochen, ein shakespeareskes Familiendrama mit Actionelementen*. Drehbuchautor John Logan kann diese Geschichte perfekt erzählen – konnte er bereits in Star Trek 10, aus welchem er ein Fest für Fans machte: während die Geschichte läuft bekommen Fans unheimlich viele Momente geschenkt, in denen Erinnerungen wach werden. Bei „seinem“ Star Trek hatte er das Pech eines für die Geschichte wenig sensiblen Regisseurs – das bleibt ihm bei Bond erspart, Mendez weiß dass alles großartig zu inszenieren.

SKYFALL. Der erfolgreichste Kinostart der UK-Kinogeschichte. Der erfolgreichste Kinostart in Deutschland 2012 (zumindest wohl, bis Twilight anläuft). Für mich war ‚The Dark Knight Rises‘ emotional noch intensiver, der Figur Bond war ich auf der anderen Seite jedoch emotional nie so nah wie Batman. Und dann wäre da natürlich die Frage, wie emotional so ein Bond überhaupt sein darf – für einen Bond war er es sehr.

Noch ein paar Dinge muss ich los werden:
1. Der Trailer zu SKYFALL ist unheimlich gut geschnitten, wenn man den ganzen Film kennt – verrät im Gegensatz zu vielen Trailern nichts und zeigt Szenen in einer vollkommen anderen Konstellation. Großartig!

2. Bond hat kein Bond-Auto. Wenn man vom klassischen Aston Martin DB5 absieht, dem ersten Bond-Auto überhaupt. Sowas! Dafür passiert in Bond mit vier VW Beetle das einzige, was diesem Auto gerecht wird.

3. Schottland! Wunderbar.

4. Der Soundtrack. Toll. Als ich Adeles Skyfall erstmals hörte, war ich nicht wirklich begeistert – er unterscheidet sich wieder stark von den vorherigen beiden Bond-Songs. Aber rückblickend: Es ist eine Hommage an den typischen Bond-Song und mit Bezug auf den Film der perfekte Song.

Was bleibt nach diesem Bond?
Ein Neuanfang. Einer, der zeigt: Es geht weiter. James Bond ist wie das Empire, das er repräsentiert. Egal, wie sehr die Facetten im Licht der Neuzeit auch funkeln mögen, im Kern ist er Tradition – eine, die nie verschwinden wird. Egal wie viele Bournes da noch kommen mögen, die vielleicht der zeitgeistigere Bond sind. Aber genau das zeichnet Bond auch: Dieser anachronistische Zeitgeist. Er geht mit ihm mit, aber eigentlich ist er noch immer der Kerl, der er früher war.

In der großartigen Szene, in der Craig und Bardem erstmals aufeinander treffen, fragt Bösewicht Silva Bond, was dessen Hobby sei. Und James antwortet: „Wiederauferstehung“. SKYFALL ist genau das. Am Ende steht alles wieder auf Null, exakt dort, wo vor 50 Jahren alles began.

M zitiert im Film ein Gedicht von Tennyson – es könnte gleichermaßen für das Franchise, die Fans und Bond selbst stehen:
Obwohl uns viel genommen ist, bleibt viel; und obwohl
wir nicht mehr jene Kraft sind die in alter Zeit
Himmel und Erde bewegte, sind wir, was wir sind, –
gleichartig im Wesen, mit heldenhaften Herzen,
geschwächt von Zeit und Schicksal, doch stark im Willen
zu streben, zu suchen, zu finden und nicht aufzugeben.

aus „Ulysses“, von Alfred Lord Tennyson, Übersetzung: Katrin Thier

Fazit: SKYFALL ist ein guter Film und – für mich persönlich – ein sehr guter Bond. Ihm fehlt ein wenig das humorvolle, auf der anderen Seite leben wir auch in Zeiten, in denen es nicht viel zu lachen gibt und Bond ist in dieser Version hier eher eine Reflexionsfläche – selbst am Bond-Auto und der Ausstattung der Agenten wird gespart, Metaebene ick hör dir trapsen. Geht rein. Und wenn es nur ist, um mir dann hier in den Kommentaren gleich meine paar Zeilen um die Ohren zu hauen und zu sagen: Bullshit! Ich bin auf eure Fazit gespannt.

* lustigerweise hatte ich die Passage bereits geschrieben, da kannte ich das oben verlinkte Interview mit Barbara Broccoli noch nicht – die nimmt nämlich auch Shakespear in den Mund

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