Warum es Zeit ist, über die Gleichberechtigung des Mannes zu reden

Geschlecht immer nur dann aufzurufen, wenn es einer Vorteile bringt und es sonst zu negieren, ist nicht nur kindisch und verlogen. Es steht in der Tradition eines John Money und einer Alice Schwarzer, die mit dem Begriff des Gender eine rechte, so menschenfeindliche wie offenkundig unsinnige Theorie vom Geschlecht als rein sozialem Konstrukt erfanden, protegierten und in großen und kleinen Schritten asymmetrisch, nämlich stets männerfeindlich in die Tat umsetzten. Was keineswegs heisst, dass man die sozial konstruierten Zuweisungen an Vater und Mutter, Frau und Mann nicht revolutionieren kann, soll oder muss. Ganz im Gegenteil! Der Vater gehört dann aber zwingend auch dazu […] – Kardinalfehler in der jahrzehntealten Debatte ist, die Frau als Boss denken zu können, den Mann aber nicht als Mutter. Dabei ist es der Vater, der fehlt.

Ralf Bönt schreibt in der WELT über den „Geschlechterkampf“. Einigen Sätzen in seinem Kommentar mag ich nicht zustimmen – tatsächlich gibt es aber so einige Punkte, mit denen er mir in der Gleichberechtigungs-Debatte aus dem Herzen spricht.

Wenn wir über Frauenquoten in Vorständen sprechen – eine Diskussion, bei der es konkret um 170 Plätze in 100 DAX Unternehmen geht -, sollten wir auch über eine Männerquote sprechen – in Pflegeberufen oder Bildung zum Beispiel. Wir sollten darüber sprechen, wieso männliche Erzieher in unserer Gesellschaft diskriminiert werden, während an Kindergärten und Schulen eine überwiegend weiblich kontrollierte „Antikörperlichkeitserziehung“ herrscht (was sicherlich nicht nur mit den unterbezahlten Erzieher_innen sondern auch mit seltsamen Eltern zu tun hat). Wir sollten darüber sprechen, warum Jungs zum Beispiel viermal häufiger mit ADHS diagnostiziert werden als Mädchen – und diese Diagnosen sich später in ähnlich hoher Rate als falsch heraus stellen. Wir sollten darüber reden, dass unser Bildungssystem viel zu wenig Rücksicht auf den geschlechterspezifischen Pubertätsverlauf nimmt. Oder darüber, dass von all den Förderprogrammen an Schulen und Universitäten vor allem Mädchen profitieren – rund 100 staatlich subventionierte Mädchen-Förderprojekten stehen nur eine Hand voll gegenüber, die sich an Jungs wenden.

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Das Alles bedeutet nicht, dass die feministische Gleichstellung in der Gesellschaft nicht (mehr) notwendig ist. Das ist sie noch immer, und daran muss gearbeitet werden. Dass Frauen beispielsweise in der Werbung noch immer unnötig sexualisiert werden ist nicht hinzunehmen. Genau so wenig wie die Tatsache, dass Frauen im Beruf die Karriereleiter oftmals nicht so weit erklimmen können wie Männer und dazu nachweislich schlechter bezahlt werden.
Wir müssen ein karrieretechnische Kompensierung dafür schaffen, dass Frauen nunmal auch Mütter werden können und wollen – und damit früher oder später in einen beruflichen Rückstand geraten.

Dabei sind Männer aber zum Beispiel in Gesundheitswesen, Familienrecht oder auch als Opfer häuslicher Gewalt der Frau gegenüber ebenso nicht gleichgestellt, wie bei Wehrpflicht (die Wehrpflicht ist nur ausgesetzt, nicht abgeschafft) oder Bildung (Zitat Studie des Bildungsministeriums: „In allen (Schul-)Fächern erhalten Jungen auch bei gleichen Kompetenzen schlechtere Noten.“).

Das sollten wir bei all der Diskussion um Frauenquoten und Gleichberechtigung nicht aus den Augen verlieren. Wenn wir von Gleichberechtigung sprechen geht es in der öffentlichen Debatte vorwiegend um die weibliche Perspektive – die Gleichstellung der Frau gegenüber dem Mann. Die gesellschaftliche Gleichstellung muss für beide Geschlechter in die öffentliche Diskussion gestellt werden.

Lesenswert: Max Mustermann wundert sich.

Bild: EyeOTBeholder, flickr CC Lizenz

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