Rivva ausgetrocknet.

Abschiede sollte man kurz halten, dann versiegt der Schmerz schneller. Oder?
Frank Westphal hat es kurz gemacht. Wenn auch sich nicht einfach.
Er hat den Aggregator Rivva nach etwas mehr als drei Jahren vom Netz genommen.
Der Abschied war keine leichte Entscheidung für Westphal, selbst als Beobachter konnte man den Kampf um den Dienst beobachten, den Westphal wohl wesentlich öfter mit sich als der Öffentlichkeit austrug. Als ich den Programmierer im März 2007 kurz nach dem Start von Rivva für die Netzpiloten interviewte, da war einer der Sätze, die er sagte: “Ich will mich jedoch auf nichts festlegen und einfach mal überraschen lassen, wohin Rivva wohl treibt.” Ich glaube, und das ist eine Unterstellung, er hat es über das “sich überraschen lassen” nicht hinaus gebracht bzw. sich zu lang überraschen lassen. Das ist kein Vorwurf, lediglich eine Feststellung. Zumindest verwundert es ein wenig, wie Rivva sich entwickelt hat. Im Jahr 2010 reden viele Menschen über Social Media Monitoring und Newsfilter, doch Rivva tut sich schwer.
Ich bin der Überzeugung, dass Rivva ähnlich wie PopURLs einen Markt gehabt hätte. Frank hat die Unabhängigkeit von Rivva jedoch stets als höchstes Gut angesehen – und manchmal führt Stolz eben auch zum Tode, in diesem Fall dem von Rivva.

Wenn das Projekt in seinen drei Jahren Bestand etwas gezeigt hat, dann, dass die Herausforderung Nachrichten und Links über Algorithmen in ein relevantes Verhältnis zu setzen, weder eine leichte, noch dankbare Aufgabe ist. Rivva hat es versucht und zum großen Teil gemeistert. Für das Angebot, die Mühe und nicht zuletzt auch das stete innere Ringen mit sich und seinem Rivva hat Frank Westphal meinen Respekt verdient. Danke für Rivva 2007-2010.

Natürlich weiß man als Aussenstehender nicht, welche konkreten Angebote gab, um Rivva zu unterstützen. Aber es gab ein paar von denen ich weiß. Es ist schade um Rivva, und während Techmeme und andere Anbieter ihre Nische in den USA finanziert bekommen ist das Projekt hier gescheitert – vlt. weil der Markt zu klein, oder der Entwickler zu Stolz war. Zum Sterben eines Projektes gehört nicht immer nur ein Faktor allein. Vielleicht sehen wir 2011 den ein oder anderen neuen Ansatz .. vlt. hat nach der Sache mit Commentarist.de auch keiner mehr Lust. Und vlt. reicht uns künftig aber auch Wikio. Ich bin aber der Überzeugung, da kommen noch einige spannende Geschichten auf uns zu, was das Filtern von News und Meldungen anbelangt. Irgendwie müssen wir den derzeitigen Information Overflow aus Nachrichten, Status-Updates und PR-Meldungen nämlich auch wieder in den Griff bekommen ..

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