EHEC

Ein Geist namens EHEC geht um und versetzt Deutschland und mittlerweile auch Europa in Angst. Die gerade aktive Variante des Enterohämorrhagische Escherichia coli ist besonders aggressiv und gegen die meisten normalen Antibiotika, mit denen Durchfallerkrankungen therapiert werden, resistent.

Zur Krankheit kommt aktuell noch eine gewisse Hysterie hinzu, die Medien wie Politik gleichermaßen an den Tag legen. Denn während man noch keine Idee hat, woher der aktuelle EHEC-Erreger eigentlich kommt, warnt man eindringlich vor Gemüse, anstatt zur Hygiene aufzurufen:

“Trotz kompletter Unsicherheit über die Quelle der EHEC-Infektionen halten die Behörden an der Warnung vor Gurken, Tomaten und Salat insbesondere in Norddeutschland fest. Bei den […] befragten EHEC-Infizierten habe sich als größte Übereinstimmung ergeben, dass die meisten Gurken und Tomaten gegessen hätten […]. Die Übereinstimmung betrage hier 90 Prozent.” (LVZ Online)

Ich wette die Übereinstimmung von 90% hätte man auch gehabt, wenn man nach dem Umgang mit Geld, den Konsum von Margarine oder Leitungswasser gefragt hätte? Oder wie sieht es mit der theoretischen Verunreinigung von industriell produzierten Salaten, Trockenobst oder dergleichen aus? 
EHEC wütet seit mindestens vierzehn Tagen. Datiert man die erste Infektion ungefähr auf den 10. Mai – die erste Tode vom 24.05. war neun Tage zuvor eingeliefert und diagnostiziert worden -, sind es gar dreieinhalb Wochen. Zentrum mit den meisten Ansteckungen ist Norddeutschland.
Drei Wochen, und noch immer wird frisches Gemüse als Grund genannt? In meinen Augen insofern seltsam, als dass bei mir Gurken oder Salat nie so lange halten. Sind die Chargen von Supermärkten und Feldern so groß, dass sie über drei Wochen hinweg verkauft werden und ohne Kontrolle weiter in den Verkauf gelangen, obwohl sich die Experten einig sind, dass sie die Auslöser sind?

Am 25. Mai übrigens hatte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner noch vor voreiligen Erklärungen für die rasante Ausbreitung des EHEC-Erregers gewarnt. Am gleichen Tag gab das Robert Koch-Institut die Warnung vor Gurken, Tomaten und Salat aus. Am 26. Mai fand man auf spanischen Gurken EHEC-Erreger, die am 31. Mai jedoch als Auslöser der Welle ausschieden. Auf Gemüse aus Deutschland hat man den Erreger bisher noch nicht gefunden – obwohl er noch immer irgendwo vorkommen muss, schließlich erkranken immer mehr Menschen. Die Inkubationszeit – die Zeit zwischen Konsum des Erregers und Ausbruch der Symptome – beträgt bei EHEC drei bis vier Tage.

In 80% der Fälle solche Epidemien findet man den Herd der Erreger übrigens nie. In diesem Fall wird es wohl auch so sein. Zählt man all das zusammen, kann ich absolut verstehen, wenn der Bauernverband sich echauffiert und das Robert Koch-Institut verurteilt.

Übrigens: Das Robert Koch-Institut selbst hat beim letzten großen Ausbruch 2002 von EHEC selbst gepressten Apfelsaft und Joghurtprodukte verantwortlich gemacht. In Kanada gab es im Jahr 2000 einen ähnlich großen Ausbruch wie aktuell in Deutschland durch verseuchtes Trinkwasser. Auch die Übertragung über öffentliche Toiletten oder von Mensch zu Mensch ist möglich. EHEC-Erreger werden vom Körper noch bis zu zwanzig Tage nach der Ansteckung verteilt – auch, wenn man selbst keine Symptome mehr hat. Hygiene ist also wesentlich sinnvoller als der Verzicht auf Tomaten und Gurken … meine Meinung als Nicht-Mediziner zumindest.

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Ein Kommentar

  1. Trifft den Nagel auf den Kopf. Was mir aber vor allem Sorgen macht, ist das Verhalten der Medien. Es wird eine unglaubliche Panikmache betrieben, nur weil man mal wieder ein Thema gefunden hat. Wie viele Personen sind bis jetzt an EHEC gestorben? 10? Und wie viele sterben täglich an Krebs, den sie NACHWEISLICH vom Rauchen haben, an Aids, an Alkoholvergiftung? Wenn wir da auch so eine Panik machen würden, na danke. Nein, das nehmen wir und die Medien hin wie die Lämmer. Wir würden ja sonst auch nie zur Ruhe kommen. Aber letzlich ist noch eine Folge bereits absehbar: Niemand glaubt den Medien mehr, niemand glaubt mehr wirklich an eine Epidemie. Die Leute können ja denken und wissen aus der Erfahrung, das BSE und Voglegrippe nicht so schlimm war wie von den Medien hochgepusht. Und genau das ist das Verantwortungslose und Gefährliche am Verhalten der Medien: Was wäre denn mal im Ernstfall, wenn wirklich eine Eidemie droht? Dann nimmt die Medien – wenn es, wie gesagt, wichtig wäre – keiner mehr ernst. Da kann man sich als angehender Journalist nur schämen.

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